Am Markte des Dichters: Cædmon´s Fayre

caedmons_fayre_gruppenfoto_1_rgbDie Wiener Band Cædmon´s Fayre hat sich ganz der irisch-keltischen Folk Music verschrieben. Seit mittlerweile 20 Jahren lädt die Gruppe am Markt des historischen Dichters Cædmon zum Fest. Der Besucher taucht unversehens ein in eine vergangene, mitnichten jedoch überholte Welt, die mit Jigs und Reels erklingt, und mit magischer Bildersprache beschrieben wird. Backbeat promenierte mit Gitarrist Peter Chlup einmal über den belebten Platz. Ein Bandportrait. Von Martin Macho

Und es begab sich zu jener Zeit, als die Sonne noch die Erde umkreiste, an jenem festgelegten Orte, allwo Allotria dem Maßvollen gleichsam beigestellt wurde, ohne dass es die Törichten zur Besinnungslosigkeit drängte, ohne dass die Humpen immer und immer wieder befüllt und hastig an grölende Mäuler gesetzt werden mussten, ohne dass eben jenes tölpelhafte Gegröle dem anmutigen Wohlklang der Tonkunst und den Gesängen der Bardin den Raum nahm, um an die Herzen derer zu gelangen, die sich an Musik und Tanz, und nicht an Gerste und Hopfen berauschen wollten, da…

Musikalische Initiation

…da spielten Cædmon´s Fayre ihre Songs mit einer Freude und Hingabe, die es dem Zuhörer schwer machten, nicht sofort in ihren Bannstrahl zu geraten. Indes zunächst, weit davor, ereignete sich wie so oft die Art von musikalischer Initiation, die einen gesamten künstlerischen Schaffensweg bahnen kann. Sie widerfuhr Bandgründer Peter Chlup bereits in Jugendjahren: „Damals war ich sehr oft per Daumen unterwegs, unter anderem auch bei den großen Popfestivals in England. Mit 16, 17 Jahren hab ich dort einen Iren kennen gelernt, der mir eine Kassette mit irischer Folkmusik geschenkt hat. Als ich die zuhause gehört hab, war mir sofort klar, dass es das für mich ist.“

Im Irish Folk fand Peter die Elemente musikalischer Ausdrucksweise in Reinkultur wieder, die er als Hörer selbst mochte. Die Lieder vom Band wiesen in vieler Hinsicht eine Deckungsgleichheit mit dem expressiven, sprachlich gewandten Singer/Songwriting eines Dylan oder Cohen auf. Daneben übte auch die Instrumentalmusik eine vereinnahmende Faszination auf ihn aus.

Bis zur Geburt von Cædmon´s Fayre dauerte es dann noch eine Weile. „Eigentlich wollte ich danach immer diese Musik machen, sie war irgendwie stets im Background präsent“, spricht Peter von der Zeit vor der Bandgründung. Die erfolgte dann schließlich 1993. Der gewählte Bandnamen vereint zwei grundlegende Bestrebungen. Peter Chlup dazu: „Caedmon war der erste Dichter der zugestimmt hatte, dass seine Verse vertont wurden. Er steht für den poetischen Aspekt. Fayre (heute Fair, Anm.) heißt Markt, damit soll das Lustige, Lebensnahe, die grenzenlose Freude in unserer Musik angedeutet werden.“

Die Gruppe die jetzt seit etwa zehn Jahren unverändert auf der Bühne steht, hat in ihrer Zusammensetzung nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit der Ursprungsformation. Cædmon´s Fayre durchlief den üblichen Veränderungsprozess innerhalb eines Banddaseins, mit dem auch eine veränderte klangliche Struktur einhergeht. Fand die Anfangsbesetzung mit Gitarre, Geige, Flöte, Bouzouki und Mandoline noch den bewusst lyrischen Zugang, verfügt Cædmon´s Fayre nun durch die Hinzunahme von Bass und Schlagzeug über einen doch stärker am Rockidiom orientierten Sound.

Profistatus

Alle Gruppenmitglieder verstehen ihr Handwerk. Nun mag man diese Tatsache bei einer Band als Notwendigkeit voraussetzen, doch ist sie bei Cædmon´s Fayre durch die Übernahme einer anderen Musiksprache noch einmal ein 033ganz besonderes Atout. Hier sind Authentizität und Glaubwürdigkeit wesentlich. Die an Sally Oldfield erinnernde schwebende Sopranstimme von Sängerin Jayce O´Connor erklang sogar schon bei Voraufnahmen für den Song-Contest. Und durch ihre irischen Wurzeln wird Glaubwürdigkeit das Kriterium ohnehin nicht sein. Flo Wilscher an Geige und Bratsche kann ebenso auf eine klassische Ausbildung verweisen wie Flötistin Konny Graef, die für Cædmon´s Fayre ihre Konservatoriumskarriere verwarf. Bassist Johannes Tilscher und Schlagzeuger Mick G. kommen zwar ursprünglich vom Rock. Beide hatten aber schon immer eine Ader für die feinen Ziselierungen der Folkmusik.

Peter Chlup selbst nutzt sprichwörtlich jede freie Minute, um auf den britischen Inseln zu weilen. Das prägt das eigene Liedmaterial, veredelt Peters Songwriting und seine Verse mit einer lokalen Koloratur, die eine Unterscheidbarkeit zu originären Vorbildern nahezu verunmöglicht: „Ein englischer Kritiker meinte einmal, dass unsere Lieder durch die Bilder, die mit den Texten erzeugt werden, sehr starke keltische Züge haben.“ Einfluss auf das Schreiben nimmt nicht zuletzt die Aussagemacht der Folksongs: „In Irland oder Schottland gibt es natürlich sehr wohl auch zeitgemäße, moderne Musik. Wenn aber traditionelle Lieder gespielt werden – außer vielleicht, es handelt sich um ein Trinklied –, dann haben die immer Tiefgang. In dem Genre ist es entscheidend, dass die Lyrics auch eine Bedeutung haben“, weiß Peter.

Produktiver Bandalltag

Viele der Songs von Cædmon´s Fayre stammen aus der Feder von Peter Chlup. Von jedem Bandmitglied fließen Ideen mit ein, auch arrangiert wird zusammen. Die fertigen Preziosen sind folglich stets ein Gemeinschaftswerk. Auf diese Weise entstanden bisher zwei Alben, „Mavourneen“ (1995) und „Return“ (2010). Dazwischen immer wieder Auftragsarbeiten für Film-, Fernseh- oder Radioproduktionen, und natürlich ein reges Konzertleben. „Der Publikumszuspruch ist wirklich sehr gut“, schätzt Peter das Interesse an Cædmon´s Fayre.  In den Jahren 2011 sowie 2012 konnte die Band die Kulisse Wien an je zwei aufeinander folgenden Tagen ausverkaufen. In der KUGA im Burgenland sind Cædmon´s Fayre schon Stammgäste, da werden die Celtic-Folker zum Wiederkommen geradezu aufgefordert.

Die Live-Dramaturgie ist bei Peter Chlup und Co. ein gerafftes Abbild der Realität: „Unsere Auftritte gestalten sich so wie das Leben, mit allen Höhen und Tiefen. Wir haben gemeinsam mit dem Publikum Spaß, dabei soll es aber nicht zu oberflächlich werden. Ich glaube, das mögen die Leute an uns.“ Wer die spezielle Atmosphäre genießen will, die bei den Auftritten herrscht, hat dazu schon am 06. bzw. 07.12. die Gelegenheit. Da findet unter dem bezeichnenden Titel Irish Chrismas Concert das bereits traditionelle Doppelkonzert von Cædmon´s Fayre in der Kulisse Wien statt.

 

Irish Christmas Concert mit Cædmon´s Fayre:

Veranstaltungsort: Kulisse, Rosensteingasse 39, 1170 Wien (www.kulisse.at)

Datum: 06.12. bis 07.12.

Wochentage: Fr, Sa

Uhrzeit: 20.00 Uhr

 

Cædmon´s Fayre im Internet:

www.caedmonsfayre.com

 

Fotos:

Title: © Hannes Glantschnig

Band: © Christopher Hromek