backbeat Science: Becken(Zimbel)

bfohrn055dsc08_010531_2.jpg

Der Name Cymbla oder Cymbale sowie die mittelalterliche deutsche Bezeichnung Zymbel hat seinen Ursprung im altgriechischen Wort Kymbalon = Hohlgefäß (lat. – cymbalum). Der heute im deutschen Sprachraum übliche Begriff Becken (im italienischen piatto = Teller),  bezieht sich auf die Form des Instruments.

Geschichte: Becken sind schon in der Antike von Assyrern, Griechen und Römern verwendet worden. Im Mittelalter wurden nur noch kleinere Formen verwendet, bis sie nach und nach ganz aus der europäischen Musiklandschaft verschwanden. Erst im 17. Jahrhundert kamen Diese zusammen mit den türkischen Janitscharenkapellen wieder zur Verbreitung in Europa.  Im 19.Jd. gehörten sie bereits zur normalen Besetzung eines symphonischen Orchesters und fanden auch in der Unterhaltungsmusik ihren Einzug. Zu dieser Zeit war die Spieltechnik noch sehr an die türkische Tradition angelehnt. Das heißt, das Becken wurde meistens mit der Großen Trommel in Verbindung gebracht und auch gemeisam notiert (heute noch in der Militärmusik üblich). Dies ging sogar soweit, dass die beiden Instrumente von einer Person gespielt wurden. Zu diesem Zweck befestigte man  eines der Becken an der großen Trommel, und der Musiker konnte mit einer Hand die Trommel bedienen und mit der anderen das zweite Becken auf das schon befestigte schlagen. Die allmäliche Trennung der Instrumente begann mit Richard Wagner und wurde dann von Gustav Mahler, Igor Sravinsky bis hin zu Edgar Varese fortgesetzt, bis die Selbstständigkeit der Becken im Stück Cori di Didone von Luigi Nono ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. In diesem Werk besteht die einzige Instrumentalbegleitung des Chores aus 8 Becken und 4 Tamtams. Aber vor allem im Jazz und in der U-Musik wurden Becken immer mehr den Bedürfnissen der Musik angepasst und so die Entwicklung der Herstellungs- und Spieltechniken vorangetrieben.

Herstellung: Das echte türkische Becken wird aus spiralförmig gewundenem Messingdraht zu einer runden Scheibe zusammengeschmiedet und dann zu einem Kegelförmig gewölbten Teller geformt. In der Kuppe befindet sich eine Öffnung die es ermöglicht, das Becken auf einem Ständer zu befestigen oder eine Lederschlaufe zum Haltem durchzuziehen. Der älteste und bis heute erfolgreichste Hersteller von Becken, ist das 1608 in der Türkei gegründete Unternehmen Zildjian, nach Ihrem Gründer Avedis Zildjian. Anderen älteren Marken wie etwa Paiste, Zanchi oder Super-Syn und jüngeren Firmen wie Sabian, Istanbul oder Anatolian ist es aber gelungen Becken herzustellen, die dem Klang des türkischen Originals in nichts nachstehen. Außer diesen hochwertigen Becken, meist aus einer Kupfer-Zinn Legierung, sind in der heutigen Musikpraxis auch billigere Becken verbreitet. Diese werden aus Messing oder Nickelsilber gestanzt, und nicht wie die kostenintensieveren Instrumente, gegossen und gewalzt.

Klang:                                                                                                                                                                                                    Der Klang des Beckens ist sehr komplex, und seine genaue Tonhöhe ist schwer feststellbar. In seinem von 100 bis 9000 Herz reichendem Frequenzspektrum, kommen keine harmonischen Teiltöne vor. Durch unterschiedliche Dicke und variablem Durchmesser der Metallscheiben, kann man aber eine Klangskala von tiefen bis hohen Klängen erzeugen. Die heute üblichen Bezeichnungen wie Ride (18 bis 24 Zoll), Crash (14-20 Zoll) oder Splash (6- 12 Zoll) Becken beziehen sich auf diese Klangunterschiede. Während das Ride Becken haupsächlich für das Spielen von rhythmischen Grundstrukturen genutzt wird, werden Crash und Splash Becken eher für das setzen von Akzenten verwentet. Die Klangkomponenten des Beckens lassen sich am besten als tiefes Brummen, helles Klirren und hohes Zischen bezeichnen. Je nach Anschlagweise, kommt einer dieser Komponenten stärker zur Geltung.

Spielarten: Die klassische Spielart, die an die türkische Tradition anknüpft, ist das aneinanderschlagen zweier Becken, die mit Hife von Riemenschleifen senkrecht vor dem Brustkorb vom Schlagzeuger gehalten werden. Da der Ausschwingvorgang bei Becken sehr lange anhält wird das Becken, zum Beispiel bei Staccatoschlägen, durch Andrücken der Ränder an die Schulter abgedämpft.                                                                                                                                                                                       Durch das Anschlagen mit Schlegeln ist es möglich sehr differenzierte Klänge zu erzeugen. Die Becken wurden früher mit einem Lederriemen an einem Rahmen befestigt. Heute werden sie mit einer Flügelschraube zwischen zwei Filzunterlagen an einem Ständer befestigt. Die Art wie man Becken befestigt hat keine besonderen Einfluß auf den Klang, da beim Anschlagen haupsächlich die Randbereiche des Beckens in Schwingung geraten, während der Mittelbereich fast unbeweglich bleibt. Maßgeblich beinflusst wird der Klang des Beckens, durch die verwendeten Schlegel, die Schlagkraft und die Stelle, auf die man schlägt. Man unterscheidet zwischen drei Anschlagarten: am Rande (at the rim), zwischen Rand und Kuppe (in the middle), auf die Kuppe (on the dome).
Im Jazz und in der Unterhaltungsmusik werden fast auschließlich Trommelstöcke für das Spiel von Becken verwendet. Bevorzugt wird das Spiel zwischen Rand und der Kuppe, so erziehlt man ein hohes Klirren mit nur geringem Rauschen. Starke Betonungen führt man mit einem etwas schräg geführten Schlag gegen den Rand aus. Bei Verwendung von Jazzbesen ist das hohe Zischen des Beckens am besten vernehmbar, beim Anschlag mit einem Paukenschlägel ensteht ein tiefer gongartiger Klang.

Formen:
-Das chinesische Becken ist eine meist dickere Variante des türkischen Beckens. Der Rand ist aufgebogen und die Kuppe ist eckig bis dosenförmig. Der Klang unterscheidet sich durch ein tieferes, zischendes Rauschen und ein klar wahrnehmbares tiefes Brummen.
-Das Nietenbecken wird in kreisförmiger Anordnung mit 6 bis 12 kleinen Öffnungen versehen, in denen sich locker angebrachte Nieten befinden. Durch den Anschlag werden diese in springende Bewegung versetzt und erzeugen den charakteristischen „Sizzle-Effekt“. Ein ähnlicher Klangeffekt wird auch häufig durch das Befestigen einer kleinen Metallkette an der Beckenhalterung erzeugt. Die Kette liegt dann bis zum Mittelbereich auf dem Becken auf.
-Das Tamtam oder der Gong ist eine große, konvexe Scheibe aus einer Bronzelegierung und gehört zu den uralten kultischen Instrumenten Ostasiens. Im Gegensatz zu den Becken, schwingt nach dem Anschlag haupsächlich die Mitte des Instruments. Deshalb befinden sich die Öffnungen zum Aufhängen am Rand und nicht in der Mitte der Scheibe. Im deutschen Sprachraum, sowie im französischen und italienischem, bezeichnet man Jene mit unbestimmter Tonhöhe als Tamtam und solche mit bestimmter Tonhöhe als Gong. Im englischem werden beide als Gong bezeichnet. Der Klang wirkt wie ein Rauschen (ähnlich dem weißen Rauschen), es hat ein breites und reiches Frequenzband wobei tiefe Register am deutlichsten hervortreten. Der Durchmesser eines Gongs reicht von 40 bis 150 cm. Zum anschlagen von Gongs oder Tamtams, werden in der Regel  schwere Filzkopfschlegel verwendet. Besondere Klangeigenschaften entlockt man dem Instrument auch beim Anspielen mit harten Schlegeln oder Triangelstäben.

Wie das Schlagwerk im Allgemeinen hat auch das Becken einen langen Weg in der Geschichte zurücklegen müssen, um sich letzendlich vom rituell gebräuchlichen Instrument der Antike, zum Teil eines Orchesters bis hin zu einem Soloinstrument zu entwickeln und sich seinen Platz in der Welt des musikalischen Klangs zu sichern.

Bericht: Alexander Csurmann

Foto/Video: www.pixelo.de

Links: Zildjian, Sabian, Istanbul, Paiste, Anatolian