Chasepath im Sounddschungel

Am 25.Februar 2017 luden Chasepath zu ihrer ersten EP-Releaseshow ins Andino (Wien 6. Bezirk). Das Andino ist wohl auch unter Wiener Konzertfans weitgehend unbekannt. Eigentlich ist es eine Bar mit Restaurant, aber es gibt auch einen Veranstaltungssaal, in dem das Konzert stattfand. Diesen hat die Band mit Pflanzen – passend zum EP-Titel „The Natural“ –
sowie einer Wand mit Fotos
zum Pflücken ausgestaltet. Das Andino überraschte mich vor allem durch den guten Sound: Bis auf die zu leise eingestellte Gitarre, war dieser sehr gut!

 

Da die Formalitäten nun geklärt sind, kommen wir zu dem was wirklich wichtig ist: der Musik!

Den Anfang machte die Bandfusion Poppycock x DKDENZ , bestehend aus Poppycock, zwei Sängerinnen/Gitarristinnen, und der Rhythmusabteilung von DKDENZ. Derzeit spielen sie noch vorrangig Covers, doch an den dazwischen gestreuten Eigenkompositionen lässt sich großes Potenzial erkennen. Man darf sich bereits auf mehr davon freuen!

Nach kurzer Umbauphase ging es bald weiter mit dem Hauptact: Chasepath. Die niederösterreichische Band spielt Hardrock, der sich vor allem im Gitarrenspiel und im Gesang wiederfindet. Diesen kombinieren sie mit feinen Funkelementen und Progressive Rock, der sich vorrangig an Schlagzeug und Bass erkennen lässt. In Worten hört sich diese Mischung nicht besonders neu an, in der Musik von Chasepath ist sie es allemal! Aus diesem Grund sind die Songs beim ersten Reinhören oft schwer zu verstehen. Nimmt man sich jedoch mehr Zeit, wird man so einige spannende Details in der Musik finden. In einem Interview nach der Show erzählten sie mir, ihre Musik sei entstanden, indem sie immer gerne und viel ausprobierten und genau das machten, was ihnen gefiel. Solche und ähnliche Aussagen hört man von vielen Bands. Den Jungs und Mädels von Chasepath glaubt man sie jedoch auch.

Authentisch zeigte sich die Band auch in ihrem Live-Auftritt: Ab der ersten Sekunde zeigen sie, dass sie mit Herz und Leidenschaft dabei sind. Eine für einen Live-Mitschnitt auf der Bühne platzierte Kamera wurde bereits während der zweiten Nummer durch das Beben der Bühne zu Fall gebracht. Die Show begann mit einigen „alten Hadern“. Im Anschluss präsentierten sie in einem Medley, zu dem die ZuseherInnen ihre Mähnen tanzen ließen, ihre musikalische Inspiration. Der Übergang zu den Songs der EP war ein Jam von Schlagzeug und Bass, der vielleicht etwas zu lange dauerte. Bald kamen die zuvor abgegangenen Musiker und Musikerinnen wieder auf die Bühne und brachten eine zusätzliche Sängerin mit. Passend zum EP-Titel „The Natural“ wurden nun Naturszenen mittels Beamer auf weiße Tücher auf der Bühnenrückseite projiziert. Das war zwar eine nette Idee, hat mich persönlich aber von der Live-Performance abgelenkt. Trotzdem: In diesem Teil der Show brachten Chasepath noch mehr Energie auf die Bühne. Diese übertrug sich auf das Publikum, das jetzt über das vorangegangene Mitwippen hinaus in Bewegung geriet. Mitgerissen von der Musik vergaß auch ich für einige Minuten wild auf meinen Block zu kritzeln. Nach dem Ende des regulären Sets forderte das Publikum natürlich eine Zugabe, die es auch, in Form eines Jams und eines weiteren Songs, bekam.

Alles in allem hat ihr Auftritt genau das widergespiegelt, was das Publikum spürte und was mir die Band nach dem Konzert bestätigte: Chasepath sind mit unglaublich viel Energie, Spaß und Ehrlichkeit bei der Sache. Es macht nicht nur Freude ihrer Musik zu lauschen, es ich auch unglaublich schön, eine Band zu sehen, die sich nicht verbiegen lässt und authentisch ist.

 

Text: Mira Achter

Foto: Mopix

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