Der Rock’n’Roll ist zurück

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Die Boogiezwerge sind wieder da. Nach acht Jahren und neun Monaten veröffentlichen AC/DC wieder ein neues Album. Black Ice, so der Titel der neuen Scheibe, wird hier in Österreich am 17. Oktober veröffentlicht. Alexander Schöpf hatte für Backbeat die Möglichkeit sich die 15 neuen Songs anzuhören.

Knapp zwei Monate bunkerte sich die Band gemeinsam mit Produzent Brendan O’Brien in Bryan Adams Warehouse Studio in Vancouver (Kanada) ein um ein Album aufzunehmen, das – so viel vorne weg – die beiden Vorgängeralben Ballbreaker (1995) und Stiff Upper Lip (2000) klar in den Schatten stellt. Die 15 Stücke auf Black Ice sind abwechslungsreich wie schon lange nicht mehr, Sänger Brian Johnson klingt so gut wie seit 25 Jahren nicht mehr, Phil Rudd spielt inspiriert wie zuletzt auf For Those About To Rock (1981) und Cliff Williams Bass ist diesmal wirklich zu hören.

Rock’n’Roll Train
Bereits im August als Radio-Single veröffentlicht, bietet Rock’n’Roll Train alles was das AC/DC-Herz begehrt: ein monumentales Riff in der Tradition von Highway To Hell, einen schlüpfrigen Text, einen schnörkellosen Drumbeat, eine druckvolle Basslinie und einen massiven Background-Chor, der ein wenig an das ’81er Album For Those About To Rock erinnert. Ein Auftakt nach Maß.
Hier gibt es das Video dazu zu sehen:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=bX2xbqWtyJU]

Skies On Fire
Das zweite Stück von Black Ice beginnt mit einem klassischen Rudd-Beat, bevor die Gebrüder Young und Bassist Cliff Williams einsetzen. Brian Johnson singt eine Melodie, die sofort hängen bleibt. Wie schon bei Rock’n’Roll Train gibt es auch bei Skies On Fire einen eingängigen Refrain mit fettem Backgroundgesang. Das obligatorische Gitarrensolo ist relativ kurz gehalten und mündet in einen leicht variierten Refrain.

Big Jack
Ein klassischer AC/DC Rocker. Der Text handelt wahrscheinlich von einem Penis. Der Eindruck der ersten zwei Songs bestätigt sich auch bei dieser Nummer: Die Stücke sind hervorragend geschrieben, arrangiert und produziert.

Anything Goes
AC/DC haben in ihrer langen Karriere immer wieder Nummern geschrieben, die durchaus poppige Elemente hatten (You Shook Me All Night Long, Touch Too Much, Moneytalks usw.). Doch so weit haben sie sich noch nie aus dem Fenster gelehnt. Anything Goes vereint Elemente von Bruce Springsteen, CCR und Slade und wird die AC/DC-Anhängerschaft in zwei Lager teilen. Ich habe ein paar Durchgänge gebraucht bis ich wusste was ich mit dem Stück anfangen soll – jetzt gehört er zu meinen absoluten Favoriten.

War Machine
Phil Rudd eröffnet das fünfte Stück des Albums mit einem herzschlagähnlichen Bassdrumbeat, Malcolm Young streut ein paar Akkorde drüber, während sein Bruder Angus das Gitarrenriff von Given The Dog A Bone recycelt. Eingeleitet von einer Maschinengewehrsalve auf der Snaredrum kulminiert das Ganze in einem veritablen Headbanger. Brian Johnson bringt das Dasein eines Soldaten mit der Textzeile Don’t think just obey/I’m like a bird of prey ziemlich genau auf den Punkt. Besonders hervorzuheben ist der Backgroundgesang der an Dirty Deeds Done Dirt Cheap erinnert.

Smash’n’Grab
Mit Smash’n’Grab kann mit den ersten fünf Stück nicht ganz mithalten. Beileibe kein schlechter Song, aber irgendwie fehlt ihm das gewisse Etwas. Der Refrain ist zwar ungemein eingängig und stark, dafür klingt die Strophe etwas beliebig.

Spoilin’ For A Fight
Bei diesem Stück schaltet die Band wieder einen Gang nach oben. Das Gitarrenriff ist klassische AC/DC-Schule. Überhaupt ist das Zusammenspiel der Young-Brüder auf Spoilin’ For A Fight, wie auch auf allen anderen Songs, über jeden Zweifel erhaben. Während Malcolm ein solides Akkordfundament gießt, streut Angus einige Chuck Berry-mäßige Licks drüber.

Wheels
Wheels beginnt ein wenig schwachbrüstig, kommt aber relativ schnell in die Gänge und entpuppt sich am Ende als ziemlicher Ohrwurm.

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Decibel
AC/DC machen einen auf ZZ Top. Brian Johnson setzt für die ersten paar Zeilen seine tiefe Stimmlage ein und beweißt einmal mehr, dass er eines der wenigen Weißbrote ist, das auch den Blues authentisch singen kann.

Stormy May Day
Ein von einer Slidegitarre getriebenes Intro, das sich über eine Minute lang in die Gehörgänge fräst, bevor Brian Johnson mit The storm is ragin’/Winds are howlin’/No one’s callin’/Rescue you losbellt. Mein bisheriger Geheimfavorit auf dem Album.

She Likes Rock’n’Roll
Das Intro-Riff von She Likes Rock’n’Roll ist bei All Screwed Up vom Black Ice-Vorgänger Stiff Upper Lip abgekupfert. Sicherlich nicht der stärkste Song auf Black Ice. Der Background-Gesang folgt teilweise einem ähnlich Muster wie jener von War Machine.

Money Made
Ein moderner Klassiker! Eingängig bis zum Gehtnichtmehr. Nach einem kurzen Auftakt-Riff geht das Stück sofort in den ersten Refrain über. Brian Johnson zeigt allen Rock’n’Roll-Schreihälsen einmal mehr, wo eigentlich der Hammer hängt.

Rock’n’Roll Dream
Das letzte Mal, dass AC/DC eine Ballade aufgenommen haben, war 1974 für ihr australisches Debüt-Album High Voltage. Damals hieß das Stück Love Song und ging ehrlich gesagt ziemlich in die Hose. Mit Rock’n’Roll Dream nähern sich nach 34 Jahren wieder der ruhigeren Seite. Es ist diesmal nicht ganz so schlimm wie bei Love Song, was vor allem Brian Johnsons Gesangsleistung und Phil Rudds Drumming zu verdanken ist. Auch dieser Song wird die AC/DC-Anhängerschaft wahrscheinlich spalten. Von mir aus wäre das Album auch ohne dieses Stück ausgekommen.

Rockin’ All The Way
Einer der schwächeren Songs auf dem Album. Der Name des Stücks ist zwar Programm, aber das hat die Band in der Vergangenheit schon besser gemacht.

Black Ice
Ein funky Gitarrenriff eröffnet das Titelstück und den letzten Song auf dem Album. Die Band zeigt sich noch einmal in Höchstform. Nach Stormy May Day mein zweiter Geheimfavorit.

Fazit: Wie bereits eingangs erwähnt stellt Black Ice seine zwei Vorgänger klar in den Schatten. Wie sich die Scheibe in den Gesamtopus der Band einreiht, lässt sich wohl erst in ein paar Jahren sagen. Dass eine Band, die es seit mittlerweile 35 Jahren gibt, es schafft noch so ein starkes Album aufzunehmen, sollte nicht unerwähnt bleiben. Dabei hätten AC/DC allen Grund sich auf ihren Lorbereen auszuruhen: 200 Millionen verkaufte Platten, mit Back In Black (1980) die zweit meist verkaufte Platte aller Zeiten (geschlagen nur von Michael Jacksons Thriller), unzählige ausverkaufte Tourneen. Die Black Ice-Tournee startet Ende Oktober in den USA. Ab Februar 2009 wird die Band auch in Europa zu sehen sein. Die ersten sieben Deutschlandkonzerte waren innerhalb von zwölf Minuten ausverkauft. AC/DC werden voraussichtlich auch in Wien auftreten, eine offizielle Bestätigung ist aber noch ausständig.

Text: Alexander Schöpf
Fotos: Sony/Guido Karp

Infos: www.acdc.com oder www.myspace.com/acdc