backbeat Science: Snare Drum

drum

Sie ist das Herzstück des Schlagzeug und eines der wichtigsten Instrumente in der Jazz- und Popularmusik des 20. Jahrhunderts: die Snare Drum. In der Folge der Reihe „Backbeat Science“ könnt ihr über geschichtliche Entwicklung, Spieltechniken und Verwendung lesen.

Die Entwicklung der Snare läßt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Bis zum 18. Jahrhundert verwendete man sie ausschließlich zu militärischen Zwecken. Aufgrund der Aufhängung an der linken Körperseite beim Marschieren wurde das Instrument im Militär und englischen Sprachraum auch zunächst „Side Drum“ genannt. Die Trommel war in dieser Form auch noch beträchtlich größer als ihr modernes Pendant. Die Felle wurden damals mit einem Seilsystem, anstatt der heute bekannten Spannschrauben gespannt. Darüber hinaus sind bei militärischen Trommeln die Felle im Allgemeinen fester gespannt, um größeren Rebound für die Rudiments, die ebenfalls aus der Militärmusik stammen und heute wichtige Grundübungen darstellen, zu erhalten.

Im 18. und 19. Jahrhundert fand die „Snare Drum“, „Kleine Trommel“, „Caisse Claire“, „Cassa Chiara“ bzw. „Caja“ schließlich auch langsam Einzug ins Opernorchester. Dort kam sie zunächst ebenfalls hauptsächlich in militärischen Opern-Szenen zum Einsatz. 1837 baute Cornelius Ward erstmals eine Snare Drum in modernerer und kleinerer Form, indem er die Fellspannung durch ein Schraubsystem anstelle eines Seilsystems und einen Messingkessel verwendete. Zwischen der Mitte und dem Ende des 19. Jahrhunderts wanderte die Snare Drum dann langsam aus dem Orchestergraben der Opernhäuser auf die Konzertbühne. In weiterer Folge wurde sie dann zentraler Bestandteil des Jazz-Schlagzeugs, wodurch sie schlußendlich spätestens seit Beginn des Rock ’n‘ Roll gegen Mitte des 20. Jahrhunderts zu DEM ton- oder zumindest taktangebenden Instrument in der modernen Popularmusik wurde. Denn bekanntlich liegt bei ihr typischerweise die Verantwortung für den „Backbeat“, also den Hauptbetonungen. (standardmäßig auf den Zählzeiten „2“ und „4“ im 4/4-Takt).

Der typische Snare-Sound ergibt sich bekanntlich aus dem über das Resonanzfell (das in der Regel dünner ist als das Schlagfell) gespannten Snare-Teppich, der aus Draht oder Kabeln besteht und mit dem Fell mitschwingt. Doch die Snare bietet noch andere Möglichkeiten zur Tonerzeugung. Der Teppich kann durch einen Hebelmechanismus auch gelöst werden, wodurch er nicht mehr am Resonanzfell anlieg. Die Snare klingt dann eher wie ein hohes Tom. Andere Möglichkeiten sind bekannt unter den Namen „rim shot“ (gleichzeitiges Schlagen von Fell und Spannring) und „side stick“/“rim click“ (Stick wird auf Snare gelegt und es wird nur auf den Spannring geschlagen). Diese Spieltechniken sind auch in Orchesterstücken zu hören, zum Beispiel in Aaron Copelands „Symphony No. 3“ (1946) oder Maurice Ravels Bearbeitung von „Bilder einer Ausstellung“ (1922). Abgesehen von der Schlagtechnik kann die Kleine Trommel auch mit Sticks, Besen oder Paukenschlägeln gespielt werden, was sich natürlich ebenfalls auf das Klangbild auswirkt.

Der geschichtlichen Entwicklung der Snare Drum verdanken wir auch die Tatsache, daß es heute zwei Grundarten von Stockhaltungen gibt: den „traditional grip“ und den „matched grip“. Die ursprüngliche Stockhaltung war zwangsweise notwendig aufgrund der seitlichen Aufhängung der Trommel, da sie sich dabei auch in Schräglage befand und es nur durch die ungleiche Haltung der Stöcke möglich war mit der linken Hand das Fell zu schlagen. Nachdem dann später die Snare vor dem Körper nahezu waagrecht aufgestellt wurde ergab sich die Möglichkeit zum „matched grip“, der auch dem linken Handgelenk eine natürlichere Bewegung ermöglicht. Welche Stockhaltung aber die bessere ist, darüber wird schon seit längerem diskutiert, eine richtige Antwort gibt es nicht, da beide Haltungen Vor- und Nachteile haben und es Geschmackssache ist, mit welcher Haltung man sich wohler fühlt. Aber das ist eine andere Geschichte…und wird in einer der nächsten Folge von „Beatboxx Science“ ausführlicher erläutert.

Artikel: Matthias Rigal
Fotos: creative commons (Wikipedia)