Der lange Weg zurück

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Mit achtzehn war Manfred Hausleitner ein weltweit gefragter Schlagzeuger. Er spielte mit Shirley Bassey, Udo Jürgens, Roberto Blanco und Sergio Mendes. Doch dann legte er die Sticks zur Seite und setzte sich 28 Jahre lang nicht mehr hinters Kit.

Die Liebe zum Schlagzeug bekam Manfred Hausleitner praktisch in die Wiege gelegt. Sein Vater war selbst Schlagzeuger. Mit sechs Jahren begann er dann auch zu trommeln – auf die harte Tour. Die ersten paar Jahre übte Hausleitner fast ausnahmslos Technik auf der kleinen Trommel. Mit zehn Jahren wechselte Manfred dann auf ein komplettes Schlagzeug: „Ich habe damals wirklich sehr viel gespielt. Zudem hatte ich das Glück, dass mich mein Vater überall hin mitgenommen hat. Wir haben auf Hochzeiten und Tanzveranstaltungen gespielt. Bauern­jazz nannten wir das damals.“

Ab nach Mexiko. Mit zarten dreizehn Jahren inskribierte Manfred, dann am Jazzinstitut des Konservatoriums in Wien. Er war mit Abstand der jüngste Student. Von da an ging es steil aufwärts. Mit sechzehn schloß er das Schlagzeugstudium ab und ging für ein Jahr nach Mexiko. Er ließ sich dort von Tino Contreras, ­einem nam­haften lateinamerikanischen Schlagzeuger, unterrichten: „Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Ich habe die ­Latinomusik und das Latinodrumming lieben gelernt.“ Als er wieder zurück nach ­Österreich kam, war Manfred Hausleitner ein gefragter Studiodrummer und gab Schlagzeugunterricht: „Andi Weiss war damals einer meiner Schüler.“
Nebenbei schloss er eine Lehre als Bankkaufmann ab: „Irgendwann begann ich in der amerikanischen Botschaft zu arbeiten und habe das Schlagzeugspielen nach und nach aufgegeben.“ Nach dem Job in der Botschaft heuerte Manfred beim Blumengroßhandel Fleurop als Geschäftsführer an: „Das habe ich siebzehn Jahre durchgezogen. Ich habe geholfen das Unternehmen aufzubauen.“ Während all diesen Jahren rührte er nie ein Schlagzeug an.

Ein Tipp von der Ehefrau. Fleurop war mittlerweile ein florierendes Unternehmen und die Arbeit wurde für den Geschäftsführer immer mehr: „Irgendwann hab ich gemerkt, dass es mir zu viel wurde. Ich habe ja auch eine Familie mit zwei Kindern.“ Manfred kündigte und sah sich nach einem neuen Job um: „Aufgrund meines guten beruflichen Backgrounds dachte ich mir, ich würde problemlos eine Anstellung bekommen.“ Leider war dem nicht so. Nachdem er ein paar Jahre arbeitslos war sprach ihn seine Frau auf seine Vergangenheit als Schlagzeuger an, und ob er es nicht damit wieder versuchen möchte. Manfred ließ sich nicht zweimal bitten: „Ich habe mein altes Schlagzeug aus dem Keller geholt und habe begonnen täglich fünf bis acht Stunden zu üben. Ein Freund von mir, der Alex Meixner, hat mir in dieser Zeit auch sehr geholfen. Er besitzt ein Tonstudio mit einem Proberaum, den ich benutzen durfte.“

Comeback im Musikantenstadl. Es dauerte danach auch nicht mehr lange bis er den Sprung zurück in die Szene schaffte. Sein erstes Engagement war mit der Wolfgang Lindner Band, mit der er im Musikantenstadl auftrat. Daneben begann er auch wieder zu unterrichten: „Mittlerweile hab ich wieder an die siebzig Schlagzeugschüler.“ Im Moment hat Manfred mehrere Projekte am Laufen: „Da ist einmal die Deutschrockband Septembertag, dann gibt es ein Soulprojekt, das sich Politics nennt und daneben bin ich beim Dancing Stars Orchester und bei der Wolfgang Lindner Band involviert.“

Alexander Schöpf

www.schlagwerk.eu