Die Alternative – Festival urban und ohne Dreck

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Der Festivalsommer nähert sich dem Ende, doch bevor die Blätter sich verfärben und der Sturm als alljährliches Herbstgetränk tausende Teenagermägen verklebt, hat die Arena Wien sich noch was kleines Feines einfallen lassen. Und so wurde am letzten Augusttag das ArenaPalooza Festival im Open Air Gelände des alten Schlachthofs noch ein voller Erfolg.

Festivals sind immer schön. Die Arena Wien auch. Ein Open Air Festival in der Arena ist dann natürlich besonders schön. Ein Nachmittag, vier Bands und ein paar Spritzer – wer kann da schon widerstehen. Vor allem dann, wenn als Headliner die begnadete, die erhabene, die unvergessliche Roisin Murphy die Bühne betritt, eine echte Diva, die Madonna diesen Titel schon lange abgerungen hat. Das ArenaPalooza Festival ist also eine tolle Sache. Man entkommt Schlammschlachten, muss nicht um Dixie-Klos kämpfen und kann bequem mit der U-Bahn wieder nach Hause fahren.

The Teenagers machen den Anfang. Die Band, die ein Fake-Profil auf myspace einrichtete und es so zu realem Erfolg brachte, lässt wohl viele Teenager träumen. Die Texte der optischen Krocha-Verschnitte setzen sich aus myspace-Postings zusammen, die Musik ist aufmunternd, die Show teenageresk (falls das Wort existiert). Peinlich wird es erst, als zwei Mädels auf die Bühne geholt werden, die dort singen und tanzen dürfen. Ein Gefühl, ein bisschen wie damals vorm Fernseher, wenn bei „Herzblatt“ die Tür aufging, so zwischen Scham und Mitgefühl. Danach kommt Madita, Sängerin, Schauspielerin und Wienerin. Und so gar nicht teenageresk. Eine Dame, deren Stimme sich mit sanfter Stärke über die von Ihrem privaten und musikalischen Partner Dzihan arrangierte Soundkulisse legt. Das Outfit mit Pluderhose und abenteuerlicher Kettenkonstruktion lässt Diskussionen entstehen, die Musik verschwindet immer mehr im Hintergrund. Shirley Bassey kommt uns in den Sinn, nur war die wohl etwas aufregender damals, und auch die auf der Bühne platzierten Bläser hatten bei ihr wohl mehr Esprit. Madita jedenfalls schafft es nicht wirklich, unsere volle Konzentration zu erheischen. Schade eigentlich.

Wem es jedoch voll und ganz gelingt, das Publikum in ihren Bann zu ziehen, sind IAMX. Chris Corner und seine Band enttäuschen nicht. Sie wissen, wie man eine Show macht, wie man das Publikum fasziniert, wie man Visuals und Kostüme perfekt einsetzt. Schwarz und Pink ihre Farben, eine glitzernde Uniformmütze sowie Lack und Leder ihre Outfits – ein bisschen prüde-schockiert stelle ich fest, wie genial ich die SM-Ästhetik von IAMX doch finde. Und auch das aufblasbare Gummipferd mit Augenbalken hoppelt direkt in mein Herz. Inzwischen ist es dunkel geworden, die Arena ist nicht zu voll und doch voll und endlich erklimmt Roisin Murphy die Bühne. Grazil und doch bestimmt ihre Bewegungen, perfekt einstudiert ihr Programm. Jeder Ton trifft ins Schwarze, jedes Bandmitglied weiß genau, was zu tun ist, die Kostümwechsel sind seltener als früher, jedoch perfekt in die Show eingebaut. Roisin Murphy ist eine Perfektionistin und schafft es immer wieder, die Zuhörer zu fesseln. Ganz groß, diese zarte Dame, die hautenge Kostüme tragen kann und niemals ihre Coolness verliert. Ich tanze bis zur letzten Zugabe, schaue den braunen Arena-Schornstein entlang in den blauschwarzen Himmel und freue mich. Wieder einmal hat die Arena es geschafft, in ihrer wunderschönen Location für ein wunderschönes Event zu organisieren.

Infos: www.arena.co.at

Text: Nicola Puchas