Die inneren Werte: Der BOOGERSunited Bandkatalog

BOOGERSunited_promo_picIn Sachen gewiefter Bandvermarktung ist das Wiener Booking- und Promotion-Label BOOGERproduction eine gute Adresse. Im Mittelpunkt steht der BOOGERSunited Bandkatalog, den Musiker mit Gemeinschaftssinn selbst an Fans verteilen. Gründer Peter „petz“ Schwabl ließ sich seine rotzfreche Werbestrategie von Backbeat aus der Nase ziehen. Von Martin Macho

Wie ein Rotzklumpen (booger, engl. für denselben) fiel Peter Schwabl im Jahr 2006 seine Idee vor die Füße, die sich aus den distributiven Schwierigkeiten heraus entwickelte, wenn man PR-Tätigkeit möglichst umfassend begreift. Purer Idealismus also war der Antrieb.

Mit vereinten Kräften

„Die problematischen Fragen sind immer: Wer verteilt das Werbematerial? Wie komme ich an die Leute ran? Wie schaffe ich die notwendige Streuung?“, zählt „derherrpetz“ – wie wir den Werbeprofi auf eigenen Wunsch ab hier nur noch nennen wollen – die Herausforderungen einer effizienten Promotion-Arbeit auf. Die Idee wand sich um den Ausgangspunkt, Werbung mit größtmöglicher Streuung nur zu erreichen, wenn sie in einem Geflecht aus nationalen und internationalen Musikern betrieben wird. Es galt somit, einen funktionierenden Organismus aus Bands und Interpreten auf die Beine zu stellen, in dem jeder für jeden wirbt.

Deshalb ergänzte „derherrpetz“ sein Label BOOGERproduction um einen selbst herausgegebenen Bandkatalog, den BOOGERSunited. Das Konzept dahinter fußt zum Großteil auf Eigenverantwortlichkeit: Bands geben den Promo-Katalog bei öffentlichen Veranstaltungen wie Konzerten oder Festivals aus. „Dadurch macht quasi eine Band für alle anderen Promotion – mit vereinten Kräften“, sagt „derherrpetz“. Selbstorganisation flicht sich ein gemeinschaftliches Verteilernetzwerk.

"derherrpetz"

„derherrpetz“

Wie schaut nun die genaue Vorgehensweise aus, was hat eine Band zu tun, wenn sie im BOOGERSunited aufscheinen will? Im Wesentlichen sind es nur zweierlei Dinge: Die Beibringung von Infos in Form von Pressetexten, Covers oder Fotos, sowie die Seitengestaltung. Wobei: „Die nehme ich den Leuten für 25 Euro pro Seite sogar ab, falls sie niemanden zur Aufbereitung ihres Materials haben“, kommt der BOOGERS-Gründer den Bands auch hier entgegen. Zuletzt ist noch ein variabler Druckkostenbeitrag zu entrichten, der, wie der Name sagt, ausschließlich in den Druck fließt. Die jeweiligen Kontingente des fertigen Kataloges werden abgeholt oder zugestellt, und liegen dann in der Regel bei den Gigs im Merchandising-Bereich auf.

Seit Mai 2013 wird der BOOGERSunited nach einer längeren Pause wieder etwa alle Quartale veröffentlicht. In der mittlerweile siebenten Ausgabe, die diese Woche erscheint, werden zwölf Bands, zwei sich der Musik verschreibende Vereine, ein Online-Musikportal sowie ein Anlagenverleih aufscheinen. Der Hauptanteil der enthaltenen Musikgruppen kommt aus dem Metal bzw. Rock. Seinen guten Riecher will „derherrpetz“ aber auch bei der Genre-Ausweitung unter Beweis stellen. „Ich strecke meine Fühler immer mehr in andere Bereiche aus, weil ich grundsätzlich ein Freund des Mischens bin“, meint er dazu. Ins gleiche Horn stößt der Plan, immer wieder einige im Katalog präsentierte Bands im Rahmen einer BOOGERSnight gemeinsam auftreten zu lassen.

Internationale Kooperationen

Im BOOGERSunited aufscheinende etablierte Künstler sind ein verlässlicher Anziehungspunkt für neue Bands, da das vorhandene Publikumsinteresse an den Arrivierten die Chance auf zusätzliche Streuung und damit Reichweitenerhöhung für die Jungen erhöht. Als Initial für die Steigerung des Bekanntheitsgrades junger Gruppen eignet sich der Bandkatalog darum hervorragend. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten leider, dass gerade in Österreich das Engagement der Musiker stark variiert. Bedauerlich: „Bands die sich wirklich reinhängen, gibt es bei uns nur recht wenige. Je nachlässiger sie sind, desto weniger verteilen sie dann klarerweise auch. Damit führt sich natürlich die ganze Idee ad absurdum.“

Verstärkte internationale Kooperationen in den EU-Raum hinein, zurzeit vor allem mit den Nachbarländern Deutschland und Slowenien, sollen hier die Weiterführung des Projektes sichern. Gestecktes Ziel ist in diesem Zusammenhang auch die Lukrierung von Kulturfördergeldern auf Gemeinde-, Bundes- oder auch europäischer Ebene. „Einfach, um die Auflagen erhöhen zu können. Dann wäre ich auch nicht mehr so davon abhängig, ob eine Band schnell oder langsam arbeitet, da sich für Eigenpromotion Spielräume öffnen würden.“ Ist noch Zukunftsmusik, aber die will ja auch erstmal geschrieben sein.

 

Kontaktdaten:

www.BOOGERproduction.com
www.BOOGERSunited.com

Mail: office@boogers2.com

Tel.: +43 650 464 37 64

 

Fotos: © Peter Schwabl