Andreas Karall

Bei Coffeeshock Company vermengt Andreas Karall Reggae gekonnt mit ordentlichem Rock-Approach. Bevor er den Sommer am Berklee College Of Music verbringt, haben wir ihn zum Interview getroffen, um mit ihm über musikalische Vorbilder zu sprechen und zu erfahren wie es ist, einen Drummer des Monats zu covern.

Ihr bezeichnet euren Stil als Super Skunk Rock Reggae. Was kann man sich darunter vorstellen?

Super Skunk ist eigentlich eine Grassorte, aber wir beziehen es immer darauf, dass wir mit unserer Musik das Publikum in rauschähnliche Zustände versetzen und Rock Reggae ist unsere Stilmischung, da wir ja alle aus verschiedenen musikalischen Richtungen kommen, von Jazz, Rock, Hiphop bis Reggae. Irgendwann haben wir uns gemeinsam zum Jammen getroffen und so ist dieser musikalische Stil entstanden. Es ist eigentlich etwas paradoxes, da wir viel vermischen. Aber irgendwie versuchen wir dann doch einen roten Faden hinein zu bringen. Das ist nicht immer leicht, vor allem, wenn man auch kommerziell erfolgreich sein und im Radio gespielt werden will. Daran arbeiten wir gerade und versuchen ein bisschen mehr Elektronik zu integrieren, ohne das für uns Wichtigste zu verlieren: Dass es live tanzbar ist und die Leute dazu abgehen können.

Mit welcher Grundidee ist es entstanden? Warst du von Anfang an dabei?

Unser Sänger Mani war nach der Schule für ein Jahr in Portugal und hat sich dort dazu entschlossen, eine Band zu gründen. Ich habe damals noch mit Schulkollegen in der Band Lotus Effect gespielt. Nachdem das aber irgendwann in die Brüche gegangen ist, hat mich der Mani gefragt, ob ich für einen Gig aushelfen könnte. Nach dem Gig wollte er mich dann gleich fix dabei haben. Mittlerweile bin ich also auch schon lange dabei. Mit 16 bin ich eingestiegen, jetzt bin ich 23. Bis jetzt haben wir zwei Alben veröffentlicht und sind recht viel herumgekommen. Im Moment befinden wir uns in der Pre-Production fürs neue Album, wobei ich jetzt im Sommer erstmal das fünfwöchige Intensiv-Programm am Berklee College Of Music absolviere, bevor es dann weitergeht. Es sind gerade einige neue Nummern am entstehen. Dabei fokussieren wir uns ein bisschen mehr auf Refrains und bewegen uns weg von den langen, ausgedehnten Reggae-Jams, um auch ein breiteres Publikum anzusprechen. Darum kommt man leider nicht ganz herum, wenn es auch mal Früchte tragen soll.

Wie lange spielst du generell schon Schlagzeug?

Ich habe mit fünf Jahren begonnen unsere Couchmöbel umzudrehen und darauf herumzuschlagen, weil meine Schwester großer Kelly Family Fan war und ich das jeden Tag gehört habe und dazu spielen wollte. Mein Vater wollte früher auch immer Schlagzeug spielen, aber hatte familiär bedingt nie das Geld dazu. Als er gemerkt hat, dass mir das taugt, hat er mir zuallererst nur eine Snaredrum besorgt und gemeint, den Rest müsse ich mir erarbeiten. Je mehr ich übe, desto eher bekomme ich ein ganzes Schlagzeug, das war der Deal. Mit sechs, sieben Jahren hatte ich dann meinen ersten Unterricht an der Musikschule in Oberpullendorf.

Nimmst du heute noch Unterricht?

Ja, absolut. Ich habe eigentlich bis jetzt durchgehend Unterricht gehabt, weil ich nicht wüsste, warum man damit aufhören sollte. Man findet immer neue Lehrer, neue Stile, neue Inspiration. Es wird immer Leute geben, die viel mehr erlebt haben und einem weiterhelfen können. Im Moment bin ich bei Andreas Lettner. Allein schon wenn ich mit ihm rede ist es wie Unterricht, weil er einfach so viel Erfahrung hat. Außerdem kommt er mehr vom Jazz und Hiphop und ich doch eher vom Rock. Da lernt man nie aus an Stilistiken. Aber ich muss auch nicht jeden Stil perfekt spielen können, mir hat das Schlagzeug deshalb immer schon getaugt, weil du einfach der Motor der Band bist und alles zusammenhalten musst. Ich mag Schlagzeuger, die Sachen nicht überspielen, sondern simpel, straight und groovy sind, dynamisch auf die Band reagieren und sie zusammenhalten. Steve Jordan zum Beispiel! Was er spielt, kann eigentlich jeder nachspielen. Aber wie er es spielt! Mit so viel Groove und Feeling.

Das ist das, was am schwersten zu erlernen ist oder? Alles andere lässt sich leichter durch Üben erreichen…

Genau. Technik üben ist nicht die mega Herausforderung. Die Moeller-Technik kann jeder verstehen, sich hinsetzen und die Schläge üben. Aber richtig zu grooven ist dann schon etwas anderes. Die Gefahr bei Schlagzeugern ist, dass sie oft als Schlagzeuger denken und weniger als Musiker. Ich lerne auch Gitarre und Klavier und versuche, mich vermehrt mit Songwriting auseinanderzusetzen, um mich mehr einbringen zu können in den Prozess. Man sollte auch verstehen, wann und warum jemand mit der Dynamik runter fährt und darauf eingehen können. Jedenfalls versuche ich da immer dazuzulernen und mir neue Tipps und Inspiration zu holen.

Was war denn der inspirierendste Tipp, den du in letzter Zeit mitbekommen hast?

Puh… Also letztens habe ich ein Interview mit Dave Grohl gesehen, in dem er gesagt hat: „Don’t bore us, get to the chorus!“. Irgendwie hat er ja recht. Die meisten Leute wollen am liebsten Hymnen und Refrains mitsingen. Aber sonst, aus Schlagzeuger-Perspektive, ist es immer mehr das Credo: Keep it groovy, keep it simple! Gerade als junger Schlagzeuger erwischt man sich oft dabei, dass man etwas zu sehr überspielt. Aber das ist natürlich auch ein Reifungsprozess, dass man sich mit der Zeit mehr auf das Wesentliche und auf Groove fokussiert.

Apropos Groove: Obwohl bei Coffeeshock Company der Reggae stark im Vordergrund steht, legst du die meisten Nummern recht rockig an. Hast du dich im Laufe der Zeit auch gezielt mit Reggae Drumming und Stilen wie One Drop auseinandergesetzt?

Ja, das stimmt. Ich persönlich höre mir eigentlich keinen Reggae an, weil es nicht so mein Stil ist. Ich habe immer sehr rockig gespielt. Im Laufe der Zeit habe ich mich aber schon eingehört und geschaut, wie solche Grooves gespielt werden und wie man den typischen Sound hinbekommt. Es war aber trotzdem immer sehr rocklastig bei uns, besonders am Anfang. Das macht vielleicht auch unseren Stil aus, dass es nicht der klassische Reggae ist. Ich finde das sowieso immer komisch, weil zum Beispiel auch lateinamerikanische Sachen nie so authentisch gespielt werden können von Europäern. Von daher taugt mir die rockige Herangehensweise sehr.

Du hast auch einen eigenen Youtube-Kanal eingerichtet, auf dem du etliche Drum-Covers performst.

Vor zwei, drei Jahren habe ich damit begonnen. Da habe ich das noch zuhause gemacht und mit meinen beschränkten Möglichkeiten aufgenommen und „gemischt“. Das war mir dann aber irgendwann zu wenig. Der Sinn dahinter war ja ursprünglich, dass ich eine Referenz habe und sich Leute mein Spiel anschauen können, wenn sie einen Schlagzeuger suchen. Es macht aber auch extrem Spaß und bringt einen um einiges weiter, wenn man sich daran gewöhnt in Studioatmosphäre eine Arbeit abzuliefern. Jetzt versuche ich es eben sooft wie möglich zu machen und habe mir eine Plattform mit Homepage, Logo und Visitenkarten eingerichtet.

Nach welchen Kriterien wählst du dabei die Songs aus? Sind das einfach deine Lieblingsbands oder suchst du gezielt nach Covers, die in punkto Schlagzeug was hergeben?

Eine Mischung aus beidem eigentlich. Die Lieder die einem selber taugen, sind dann oft nicht so spannend, wie man sich das erwünscht hätte. Ich halte meistens nach Sachen Ausschau, die es noch nicht gibt. Foo Fighters und Beyonce gibt es natürlich schon tausendfach, aber „One Day Remains“ von Alter Bridge zum Beispiel noch nicht. Dann habe ich auch von Hunger, einer österreichischen Band, ein Lied gemacht und von Krautschädl, einfach um auch zwei österreichische Acts dabei zu haben.

Ich darf dich korrigieren: Du hast auch von Mother’s Cake ein sehenswertes Cover aufgenommen. Damit hast du unseren letzten Drummer des Monats gewürdigt, auch ein guter Ansatz!

Aja stimmt, genau! Das war schon heavy. Ich habe nämlich die Off The Beaten Track-Live-Version von „Runaway“ genommen, weil die extrem fährt. Die Nummer ist komplett ohne Click gespielt und wurde live aufgenommen, weswegen es natürlich schwer ist, der Dynamik der Band zu folgen, wenn man sich nicht in die Augen schauen kann beim spielen. Man merkt wie sie mit dem Tempo abfallen bei den Breakdowns, wo es ganz langsam wird. Daher habe ich es circa 200 mal angehört und richtiggehend studiert. Das war schon eine Herausforderung, aber sehr geil.

Was denkst du kann man bei Drumcovers besonders gut lernen?

Man lernt, auf verschiedene Stilistiken einzugehen und Sachen auf neue Art und Weise zu spielen. Chad Smith spielt Grooves zum Beispiel ganz anders als es jeder andere Drummer spielen würde. Wenn man ein Red Hot Chili Peppers Cover einspielt, muss man darauf eingehen und lernt dabei neue Techniken. Man muss dadurch außerdem oft von den eigenen Gewohnheiten und eingefahrenen Wegen abweichen und ein Fill vielleicht andersrum spielen. So wie Ringo Starr, bei dem durch sein left hand leading viele charakteristische Breaks entstanden sind. Das alles bringt einen weiter und kann inspirieren. Man lernt dabei natürlich auch einiges an Präzision und sammelt wichtige Studioerfahrung.

War dir immer klar, in welche Richtung du musikalisch gehen willst?

Ich habe immer Rock gehört und habe deshalb auch immer Rock gespielt zuhause. Ich liebe dieses High Energy Drumming, wo ich im Endeffekt auch hin will. Das ist fast wie eine Sportart, wenn man sich wirklich zwei Stunden lang in einen Rausch spielt. Wenn auf der Bühne alles pfeift, weil es so laut ist. Royal Blood sind ein gutes Beispiel und es gibt leider nicht mehr so viele neue rohe Rockbands. Man kommt halt heutzutage auch schwer drum herum, Loops und Backing Tracks dabei zu haben. Wir haben bei Coffeshock Company auch einige Loops laufen. Das ist natürlich sehr anstrengend, weil alles auf den Punkt gespielt sein muss. Nur bei der alljährlichen weihnachtlichen Unplugged Tour im Dezember spielen wir komplett ohne Click, Backing Tracks und In-Ear.

In einem deiner Videos erwähnst du, dass John Mayer eine deiner größten musikalischen Inspirationen ist. Und zwar nicht, wie bei Schlagzeugern so oft, wegen Steve Jordan, sondern in erster Linie wegen John Mayer selbst?

Also vorweg: John Mayer ist mein größtes Idol, obwohl er Gitarrist ist und ich Schlagzeuger. Was ich bei ihm so genial finde ist, dass er trotz seiner Virtuosität simple und eingängige Popmusik macht. Somit spricht er ein großes Publikum an: Musik-Fans, die auf seine eingängigen Refrains stehen und auch Musiker, die auf seine grenzgenialen Gitarren-Skills abfahren. Er schafft es einfach, dass er live immer wieder aufblitzen lässt, was er eigentlich kann und zu den tollen Songs wahnsinnige Solos aus dem Ärmel schüttelt. Das finde ich sehr inspirierend, wenn man musikalisch sehr gut ist, aber trotzdem Musik macht, die sich gut vermarkten lässt. Mir persönlich als Schlagzeuger ist es wichtiger, dass im Endeffekt ein guter Song entsteht und das Schlagzeug für einen soliden Groove sorgt, als dass ich irgendwelche verrückten Chops oder Fill-ins aufnehme. Keep it groovy, keep it simple!

 

Steckbrief:

Lieblingsgroove: Four to the Floor, ganz klassisch.

Lieblingsfill: Das Intro von „Rock n‘ Roll“ – Led Zeppelin. Und RLRLFF.

Lieblingsbecken: Meinl Byzance 15“ Dry HiHat

Lieblingsalbum: Continuum – John Mayer

 

 

Weitere Links zu Andi Karall:

https://www.facebook.com/andreaskaralldrums/

https://www.youtube.com/user/MrAndKa/

 

Interview: Moritz Nowak