Des Rainers Kosmos

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Rainer Binder Krieglstein hat schon alles gespielt. Von Heavy Metal über New Wave bis Gitarrenpop. Mit seinem erfolgreichen Solo-Projekt „Binder & Krieglstein“ hat er seinen eigenen Stil gefunden. Im Jänner hat er sein jüngstes Album „Alles Verloren“ veröffentlicht. Für Backbeat lässt der gebürtige Steirer noch einmal seinen Werdegang als Schlagzeuger Revue passieren.

Wann und warum hast du ­angefangen Schlagzeug zu spielen?
Ich habe ganz klassisch ­angefangen – pfeifend, auf einem Blecheimer trommelnd, zur Musik von ­Katharina Valente. Irgendwann habe ich das Pfeifen aufgegeben, und habe mir neben dem Heizkörper, aus ganz vielen Plastik­eimern, ein sehr kompliziertes Gerät aufgebaut. Das habe ich dann mit Matador­staberln zur Musik von Led Zeppelin bearbeitet. Da war ich elfeinhalb. Und mit zwölf hab ich dann aufs Konservatorium dürfen. Dort hab ich’s dann richtig gelernt. (lacht).

Du hast zu Led Zeppelin getrommelt?
(lacht) Das hab ich natürlich nicht gemacht, das klingt nur cool. Du darfst mir nicht alles glauben. Mit elf Jahren, hallo! Da hat es Led Zeppelin noch gar nicht gegeben. (lacht lauthals).

Zu was hast du dann getrommelt?
Es waren so Elvis-Geschichten. Ich kann mich jetzt nicht genau erinnern. Aber mein älterer Bruder hat damals ­Kassetten mit irgendwelchen Bands gehabt. Da war sicher Led Zeppelin dabei. Ach, wie haben die Bands geheißen? Emerson, Lake & Palmer und solche ­Sachen.

Also die Progrockschiene?
Ja, keine Ahnung mehr. Und dazwischen noch so Schlagersachen. So wie es jetzt halt auch noch ist.

Warum hast du gerade Schlagzeug gespielt?
Ich habe dieses Bild in meinem Kopf, wo ich eine Marschtrommel von unten sehe. Also muss ich echt klein gewesen sein, so vier oder fünf Jahre alt. Das hat mich fasziniert. Es war ganz einfach ­Faszination.

Mit zwölf bist du dann in Graz aufs Konservatorium. Wie hast du dich dort zurecht gefunden?
Ich muss sagen ich hatte Glück mit den Lehrern. Zuerst war ich für vier ­Jahre beim Kurt Kozissnik. Danach hab ich kurz pausiert. Dann ist der Kurt Gober gekommen. Kurt Gober, KGB „Motorboat, Motorboat, Motorboat …“ (singt). Der war als Lehrer echt super. Er war ­genau der richtige Schlagzeuger für mich. ­Gober hat mich echt motiviert. Er hat mich nie gezwungen Musik zu spielen, die ich nicht wollte. Er hat mir schon Sachen transkribiert. Das ­waren aber Bands wie Spliff (­deutsche Band aus den 80ern, die Rockmusik mit ­elektronischen ­Elementen verband – Anm. d. R.), also wirklich ­lässige ­Sachen. Das war ein Wahnsinn, der Unterricht war für ­damalige Verhältnisse unglaublich ­progressiv. Gober hat mir viel gebracht. Die anderen Jungs mit den anderen Lehrern, das ­waren echt arme Schweine. Der Großteil von denen hat in der Zwischenzeit aufgehört.

Gober hat dich am Konservatorium unterrichtet?
Nein, aber danach bin ich wieder aufs Konservatorium. Aber ich hab es nicht so richtig abgeschlossen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich da jemals eine Abschlussprüfung gemacht hätte. (lacht)

Und dann?
Dann bin ich auf diese AIMS-Schule (American Institut of Music, Anm. d. Red.), die damals gegründet worden ist. Das hat mich aber doch nicht so interessiert. Zudem ist die Schule gleich in Konkurs gegangen. Der Gitarrist von der Band, die „Eye of the ­Tiger“ (Survivor – Anm. d. R. ) spielt, hat sie gegründet. Jedenfalls sind die irgendwie Pleite gegangen. Zudem hat mich dieses Ami-Zeug damals schon ein ­bisschen angezipft. Also doch wieder klassisches Hochschulstudium. Ich bin dann das erste Mal auf die Uni, wo ich zuerst ein Jazzseminar gemacht habe. Ich wollte damals unbedingt Jazz ­spielen, und war dann nur mehr als außerordentlicher Student inskribiert. Dann war ich noch auf der Klassik. Zudem hab ich Volksmusik und Brauchtumskunde gemacht, aber hab das nie ernsthaft studiert. Ich hab mir die ­Sachen rausgepickt, die mich interessiert haben.

Warst du eigentlich von zu Hause musikalisch vorbelastet?
Meine Mutter war eine große Geigerin, mein Bruder ein großer Klarinettist und meine Schwester eine große Akkordeonspielerin. Was den Effekt gehabt hat, dass mir meine Mutter nie ein Instrument gekauft hat, weil alle so versagt haben (lacht). Bis ich meine ersten Sticks bekommen habe, habe ich echt betteln müssen. Ich hab damals ja in Graz gewohnt und bin freiwillig ins Internat in Graz gegangen, damit ich Schlagzeug spielen kann. Dort hat es nämlich ein Schlagzeugzimmer gegeben. Ich hab viele Opfer gebracht, das muss man jetzt schon mal sagen. (lacht)

Spielst du auch noch andere Instrumente?
Ich lerne gerade Gitarre spielen. Endlich. Gemeinsam mit meiner Tochter. Ich hab das so ­lange versäumt, dass es mir irgendwann zu peinlich war Gitarrenunterricht zu ­nehmen. Meine Tochter ist jetzt acht und nimmt Gitarrenunterricht und zeigt mir dann immer was sie gerade gelernt hat. Klavier hab ich ein bisschen gelernt, aber das war ganz schlecht. ­Diatonische Ziehharmonika kann ich spielen. Eigent­lich kann ich nix, nur trommeln. Und Skifahren (lacht).

Bei deinem Konzert ist mir aufgefallen, dass dein älteren Stücke viel spartanischer und elektronischer sind als die neuen, die auf mich einen sehr erdigen Eindruck gemacht haben.
Ja, da hast du nicht ganz unrecht. Es sind eigentlich kaum elektronische Sounds auf der neuen Platte.

Wie würdest du deine Musik be­zeichnen?
Ich glaube ich habe mir meinen ­eigenen Kosmos geschaffen. Ich bin drauf gekommen, dass es Sachen gibt, die eine andere Band nicht machen dürfte, weil es komisch ausschauen würde. Ich weiß noch nicht genau was es ist, aber es ist irgendwas. Das ist ein Kosmos, den ich bezeichnen würde als … (denkt kurz nach). Nein, ich glaube ich würde es nicht bezeichnen. Es gibt irrsinnig ­schöne Wortschöpfungen dafür, aber das machen Journalisten besser.

Gut, dann versuch ich mich mal. Ich würde es einfach als Tanzmusik ­bezeichnen.
Tanzmusik ist es auf jeden Fall. Aber das ist auch die Produktion vom ­Shantel. (DJ Shantel aus Deutschland hat die neue Platte produziert – Anm. d. R.). Es ist alles mit Triolen-Phrasierung und im Midtempo-Bereich. Midtempo ist ganz wichtig. Er hat auch ganz bewusst Stücke ausgesucht, die im Midtempo-Bereich liegen. Man hört auf der ­Platte schon sehr deutlich die Handschrift vom Hause Shantel.

Welche Musik hörst du dir eigentlich an und welche Einflüsse lässt du ­bewusst zu?
Ich schau mir live ganz gerne Sachen im experimentellen Bereich an. Im Moment bin ich gezwungen sechzig Platten aus China zu hören. Dann krieg ich immer wieder Platten von Freunden, die ich mir anhöre. Was ich mir aber wirklich gern anhöre sind die White Stripes. Sonst kommt immer wieder was rein, was in Verbindung mit den Sachen steht, die ich mache.

Wie geht’s mit „Binder & Krieglstein“ weiter? Hast du schon wieder neue Songs geschrieben?
Nein, dafür bin ich zu faul. Ich muss ja die ganze Zeit nur Interviews geben (lacht). Die Platte ist ja erst vor einem Monat erschienen und jetzt muss ich mal ­schauen, wo ich mich gerade be­finde. Ideen hätte ich schon für ganz viele Sachen. Ich könnte mir eine Blasmusikplatte vorstellen, genauso wie eine Rocktrio-Platte. Aber auch ein ganz ­experimentelles Ding wäre sehr reizvoll. Andererseits könnte ich mir auch vorstellen wieder so etwas zu machen. Da muss man jetzt aber einfach mal ab­warten. Ich produziere natürlich ­ständig. Gerade hab ich für einen Sampler von „Megaphon“, das Grazer Gegenstück zum „Augustin“, ein Stück gemacht.

Wie geht’s live weiter?
Es tröpfelt jetzt langsam so rein. Man merkt, dass jetzt in Deutschland ein ­bisschen was geht, und die Platte Airplay bekommt. Jetzt fang ich mal mit ein paar Festivals an. Ich glaube es dauert einfach ein bisschen. Im Herbst ­möchte ich ­gerne eine Tour spielen. So ganz klassisch mit Nightliner, dunkle Straße, Busfahrer und Bon Jovi Musik im Hintergrund (lacht).

Gibt’s Schlagzeuger die dich beeinflusst haben?
Natürlich! Dennis Chambers! Jetzt hab ich erst vor kurzem wieder zu Dennis Chambers gespielt. Ich übe mittlerweile auch wieder. Hab ich auch müssen, weil ich mir eingebildet hab ich müsste Double­bass-Drum spielen. Hast du das beim Konzert gehört?

Ich hab ja gedacht, du machst das ­alles mit einem Pedal.
Das geht sich schon aus, aber nicht so laut. Aber zurück zu Dennis Chambers. Ich hab früher öfters zu seinen Platten getrommelt. Ich schäme mich jetzt ungeheuerlich dafür.

Bevorzugst du eine bestimmte Schlagzeugmarke oder wirst du endorsed?
Ich hab mir mal eingebildet ich muss unbedingt ein Ludwig Metallic Schlagzeug haben. Ein Drumset, das nur aus Metallkesseln besteht. Da hab ich dann von einer Blasmusikkapelle aus Salzburg ein original Set erstanden. Aber ich bin eher schlampig was das angeht. Und das Setup wechselt auch relativ häufig. Jetzt spiel ich ein eine Doublebassdrum, damit ich ein bisschen einen R’n’B-Touch reinkrieg. Jetzt hat mich mal in Graz ein Tontechniker aus dem Metalbereich gemischt. Mittlerweile hab ich es ja aufgegeben den Tontechnikern zu sagen, wie sie mein Schlagzeug mischen sollen.Dem hab ich dann einfach gesagt, er soll es wie ein Metalschlagzeug mischen. Und das ist dann ganz gut gefahren.

Interview: Alexander Schöpf

Fotos: Michael Loizenbauer

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