Die Musik sprudelt einfach aus mir heraus

Richard Kapp

Richard Kapp, Singer/Songwriter aus Wien. Der Mann, der immer für klangliche Überraschungen gut ist, hat sein zweites Solo-Album veröffentlicht. Für Backbeat stellte er sich für ein Interview zur Verfügung.

Wann und wie bist du zur Musik gekommen?
Irgendwie kam die Musik zu mir. Meine Eltern haben ein biederes Biedermeierzimmer und darin steht ein altes Waldhäusl Pianino mit einem wohlig warmen Klang. Als Kind klimperte ich oft darauf rum. Die Konsequenz daraus war, dass mir meine Mutter meinen ersten Klavierunterricht gab. Eines meiner liebsten Spielzeuge war damals ein alter, abgefuckter Kassettenrekorder. Diesen stellte ich mir oft im Biedermeierzimmer an eine geeignete Stelle hin und nahm dann meine ersten „Kompositionen“ auf (die natürlich ein schlechter Witz waren).

Hattest du eine Ausbildung, Privatunterricht oder bist du Autodidakt?
Mit ca. acht Jahren erhielt ich Klavierunterricht. Diesen empfand ich primär als Zwang. Allein das Notenlesen empfand ich als Einschränkung meiner Kreativität. Die Menschheit hat ja auch bereits musiziert, da gab es noch gar kein Notensystem. In der Musik fand ich stets ein Gefühl der Freiheit und der Sehnsucht vor. Ein Wunder fast, dass es mir durch den Zwang des Unterrichts und der damit verwobenen Vorschriften verdorben wurde. Dazu kam übrigens noch, dass ich mich gegen die Aufnahme bei den Sängerknaben wehren musste. Als ich dann auch noch Geige lernen musste, wurde mir nach einigen Jahren alles zu viel und ich brach jeglichen Unterricht ab. Glücklicherweise fand ich später auf meinem persönlichen Weg wieder zurück zum Klavier. Es dauerte aber, bis ich mir meinen Zugang wieder erarbeitet hatte. Ab diesem Zeitpunkt begann erst mein eigentliches Leben als Musiker. Ich würde mich daher als Autodidakt bezeichnen.

Du spielst (laut deiner Webseite) Klavier und Schlagzeug. Inwieweit hilft es dir als Songwriter beide Instrumente zu spielen? (Wenn überhaupt?)
Es hilft gewaltig. Primär sehe ich mich ja als Songwriter und jegliche Art von Komposition ist zuerst einmal auf Rhythmus aufgebaut. Egal, um welche Art von Song es sich handelt – der richtige Groove der passende Takt, das richtige Feel und ein genaues Timing ist dabei das Fundament. Über das Spielen am Schlagzeug  habe ich ein Verständnis für Struktur und für Grooves aufgebaut, das natürlich auch dabei hilft, ein Verständnis für Basslines zu erlangen. Ich habe mich auch viele Jahre mit elektronischer Musik beschäftigt. Dabei habe mich mit unzähligen Varianten von Taktarten auseinandergesetzt wie z.B. 9/16, 5/4, 7/8, etc. Gerade im Jazzbereich kann man hier unheimlich viel lernen.

Aber auch im Progressiv Rock findet man hier einige inspirierende Beispiele, so z.B. bei der zu Unrecht völlig unterschätzten 70er Jahre Band 10cc oder auch bei der damaligen Genesis Formation mit Peter Gabriel. Phil Collins – man möge von ihm halten was man will – hatte damals in Sachen Grooves Grandioses geleistet.

Wie bist du nach dem Klavier auch zum Schlagzeug gekommen?
Ich lernte durch Zufall den fantastischen Multiinstrumentalisten Manfred Lindner kennen. Manfred ist nicht nur ein enorm kreativer und sympathischer Mensch, er hat mich auch für das Schlagzeug begeistert. Ich durfte in seinem Proberaum immer wieder auf seinem Set spielen bis ich so davon angetan war, dass ich mir mit damals 18 Jahren mein erstes Set regelrecht vom Mund absparte. Ich habe 2 Wochen lang nur Brot gegessen, um es mir leisten zu können. Und selbst das war dann nur ein Einsteigerset, ein grauslich klingendes von Mapex. Becken hatte ich damals auch keine, daher habe ich diese einfach aus Pappe ausgeschnitten und darauf gespielt. Nach und nach konnte ich das Set dann erweitern. Später hatte ich dann Unterricht beim großartigen Werner Kolic. Durch seinen Unterricht habe ich das Schlagzeugspielen auf völlig neue Art erfahren. Mein Hauptinstrument ist aber nach wie vor das Klavier.

Wo siehst du deine musikalischen Einflüsse?
Hauptsächlich natürlich in der Musik mit der ich aufgewachsen bin. Obwohl es nicht meine Zeit war, sind das komischerweise die 70er Jahre. Durch meinen Vater bin ich auf zwei meiner Lieblingsbands gestoßen: 10cc und das Electric Light Orchestra. Später hörte ich sehr viel von Billy Joel, was sicherlich meine Art Klavier zu spielen beeinflusst hat. Durch meine Ex-Freundin bin ich dann auf The Divine Comedy gestoßen. Viele denken, dass dies mein Haupteinfluss ist, das stimmt aber so nicht. Viel mehr haben Neil Hannon (der Komponist von The Divine Comedy) und ich wohl ähnliche musikalische Wurzeln. Dennoch konnte ich durch TDC viel lernen – speziell was die Arrangements (von Joby Talbot) betrifft. Derzeit höre ich am liebsten Musik von Rufus Wainwright, Hawksley Workman, Mike Evin, Beirut, Bryce Kulak, Final Fantasy, Duke Special, Ben Folds und High Llamas. Da ist viel Inspirierendes dabei. Kann nur jedem empfehlen, da mal reinzuschnuppern.

Was unterscheidet dich deiner Meinung nach von anderen Songwritern und wie ist dein Eindruck von der Szene in Wien/Österreich?
Was mich von anderen unterscheidet, muss der Hörer auf www.richardkapp.com oder www.myspace.com/richardkapp selbst beurteilen. Ich kann nur soviel dazu sagen: Meine Musik dominiert die Sehnsucht, Sarkasmus, der Alltag, undefinierbare Gefühle – jedoch nicht Posing oder der schnöde Mammon. Ich liebe das Drama. Ich liebe Harmonien, die zueinander passen obwohl man es diesen möglicherweise abspricht. Die Musik sprudelt einfach aus mir heraus und das ist jedesmal irgendwie anders und spannend.

Die Szene in Wien ist kaum eine Szene, falls doch, ist es anscheinend unbemerkt an mir vorbei gegangen. Vieles ist leider sehr trendorientiert. Man könnte fast meinen, Musik ist wie eine Uniform. Je nach Lage der gesellschaftlichen Zeitgeistes, schlüpft man in eine andere. Ich hingegen mag Zeitloses. Abba wird beispielsweise oft als fast schon lächerliche Musik für Homosexuelle tituliert, dabei hat diese Band einen Klassiker nach dem anderen aus der Hüfte geschossen. Geschmack hin oder her – man muss einfach die musikalische Leistung dieser Schweden anerkennen – ohne dies mit einem seltsamen Zeitgeist verstrickt zu sehen. Ich würde mir von Wien oft mehr Offenheit, mehr Enthusiasmus und weniger Hype wünschen, so wie ich es – zumindest teilweise-  schon in anderen Städten dieser Welt erleben durfte. Auch der Support durch Radiostationen oder öffentliche Förderungen lässt meiner Meinung nach schwer zu wünschen übrig.

Was inspiriert dich?
Mein komisches Leben.

Was sind deine momentanen Projekte bzw. deine nächsten Termine?
Mein letztes Projekt ist vor Kurzem fertig geworden. Es handelt sich um mein neues Album namens * (gesprochen: „Asterisk“). Es ist dies mein zweites Soloalbum. Davor hatte ich auch eine EP namens „Short Song“  veröffentlicht. Jeder Song auf dieser ist übrigens komplett an einem Tag entstanden. Momentan spiele ich mit meiner großartigen Band öfter mal in allen möglichen Lokalen in Wien und versuche, mein Album etwas zu promoten, das übrigens auf iTunes und CDBaby erhältlich ist. Vermutlich werde ich demnächst mal wieder mit dem wunderbaren Songwriter Bernhard Eder auf der Bühne stehen. Die aktuellen Termine findet man dann auf meiner Webseite.

Gibt es noch etwas das du uns mitteilen willst?
Political Correctness is overrated.

Danke für das Interview!

Interview: Matthias Rigal
Foto: www.richardkapp.com