Ein Rhode-Trip durch die Subkultur

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Nach seinem 2009 erschienem Debütalbum FÜR KÖRPER & SEELE, beschreitet der St.Pöltner Hip-Hop Künstler CHiLL-iLL mit seiner neuen EP Rhode-Trip neue Wege. Im Interview mit backbeat gibt er Einblicke in seine Arbeitsweisen und die österreichische Hip-Hop Szene, Ausblicke in zukünftige Projekte und erzählt vom Leben eines unabhängigen Künstlers.

Was waren deine Erwartungen an dein Debut-Album FÜR KÖRPER & SEELE und sind diese erfüllt oder übertroffen worden?
Da es mein erstes Album war, war es mir als Solokünstler natürlich vorrangig wichtig ein Zeichen zu setzen. Gleichzeitig war ich auch froh mit einem langwierigen Projekt abschließen zu können, da sich die Produktion des Tonträgers fünf Jahre lang gezogen hat und ein großes persönliches Anliegen war. Daher war die Veröffentlichung im Oktober 2009 ein guttuender Ballastabwurf. Das Feedback war durchwegs positiv, und auch Live haben wir mit diesem Album viel gespielt. Natürlich ergaben sich durch dieses Release auch wertvolle Connections, Einblicke und neue Möglichkeiten.

Rhode Trip ist als EP deklariert. Ist das als ein Vorgeschmack auf einen neuen Longplayer? Wenn ja, wann ist damit zu rechnen?
Die RhodeTrip EP steht für sich allein, als eigenes Projekt. Die Tracks entstanden teilweise schon neben der Debütalbum-Produktion, als musikalischer Ausgleich sozusagen. Mit der Zeit kam mir dann die Idee, dass ich all diese genreübergreifenden Stücke, die in diese loungige Richtung gehen bzw. Piano-Rhodes als Basis haben, als eigenes Projekt vereinen könnte. Wie beim Album war und ist es mir wichtig dass ein Tonträger in sich stimmig ist und einen roten Faden hat, was sich mit diesem Material ebenfalls angeboten hat. Es ist natürlich ein kleiner Ausbruch zum eigentlichen Soundbild das man bisher von mir kennt und somit als Instrumental-Nebenprojekt zu sehen. Aber in einigen Punkten hört man vielleicht die CHiLL-iLL Handschrift raus. Ein weiteres Rap-Album ist schon in Planung und wird den Namen Aus Aundara Aunsicht tragen. Wie vielleicht schon der Titel verrät, wird darauf gänzlich im Dialekt gerappt werden. Anders als bei FÜR KÖRPER & SEELE wird es einige Features sowie namhafte Produzenten aufweisen. Auch ein weiteres Hochdeutsch-Album, das sich voraussichtlich LebensLinien nennen wird, ist in der Mache. Zur Aktuellen EP wird auch noch ein Video zum Track „Secret Route“ gedreht. Es ist also einiges geplant und in der Pipeline.

Wie würdest du den Zustand der österreichischen Hip-Hop Szene beschreiben? Gibt es eine Community, oder besteht sie aus vielen Einzelakteuren?
Aus meiner Sicht war vor einigen Jahren allgemein mehr Zusammenhalt spürbar. In der Hip-Hop Hauptstadt Linz hingegen, gibt es wie ich finde, eine sehr gute Community die gepflegt wird und auch immer wieder gute Veranstaltungen innerhalb der Szenerie. In Wien tut sich ebenfalls viel, wobei mir hier vorkommt, dass es mehr Einzelinteressen gibt als Zusammenhalt – mit Ausnahmen natürlich. In meiner Heimatstadt St. Pölten gibt es starken Nachwuchsbedarf. Es gibt natürlich ein paar Artists und DJ’s, doch es mangelt an der öffentlichen Präsenz nach außen bzw. auch an einer guten Plattform und Veranstaltern, wie auch in vielen anderen Bundesländern und Städten. Will man zum Beispiel Gigs in allen Bundesländern spielen ist es fast unmöglich, weil einfach die Veranstalter aus dem Hip-Hop Bereich fehlen. Allgemein ist die Szene in Österreich aber recht überschaubar und qualitativ hochwertiger im Vergleich zu unseren deutschen Nachbarn, was ich als sehr positiv empfinde.

Ist Hip-Hop in seiner ursprünglichen Form noch lebendig und was bedeutet er für dich?
Leider hat sich das Bild von Hip-Hop in den letzten Jahren sehr gewandelt. Ich denke durch kontinuierliche Medienberichterstattung wurde der ganzen Hip-Hop-Kultur ein sehr einseitiges Bild bzw. schlechtes Image aufgezwungen. Inhaltlich ist es eher abgeflaut und wirklich gute Sachen gehen in der Masse unter. Mittlerweile muss man danach suchen um innovative Sachen zu finden. Spricht man heutzutage von Hip-Hop, geht es meistens nur um das Element Rap und leider Gottes, rückten die andern Sparten wie Breakdance oder Graffiti in den Hintergrund oder verloren an Bedeutung. Somit fehlt der heutigen Jugend ein bisschen der Zugang. Auch traditionelle Jams wie früher mit allen Elementen finden nicht mehr allzu oft statt. Positive Ausnahmen, wie das Am Strom Festival oder das 4 Elements in Graz, bestätigen aber die Regel. Hip-Hop begleitet mich auf jeden Fall schon seit meinem achten Lebensjahr und ist nach wie vor die Subkultur mit der ich mich am stärksten identifizieren kann. Gleichzeitig ist es Leidenschaft und ein wichtiger Lebensinhalt und bietet für Viele einiges an Entfaltungsmöglichkeiten.

Viele Leute bezeichnen Hip-Hop nicht als Musik, sondern als Kunstform die sich der Musik bedient, deine Meinung dazu?
In erster Linie sehe ich Hip-Hop als eine Subkultur und respektiere sie auch in all ihren Facetten. Da ich selbst in fast jedem Element schon tätig war,  bin und überall reingeschnuppert habe, ist mir das auch sehr wichtig. Ich selbst bezeichne mich aber als Musiker mit starken Hip-Hop Einflüssen. Jazz, Funk oder Soul haben einen sehr großen Einfluss auf Hip-Hop und somit ist er ein Teil des Ganzen. Das ist und war schon immer so. Sampling war im Hip-Hop auch schon immer gängig, ist aber als eigene Kunstform zu sehen.

Wer sind deine Inspiratoren?
Inspirationen gibt es für mich eine Menge – wo soll ich nur anfangen? Über verschiedene Genres und Künstler, Freunde und Leute mit denen ich bis jetzt unterwegs war und mich geprägt haben. Bis hin zu Reisen und Umgebungen ist da eigentlich alles dabei – wofür ich auch immer wieder dankbar bin!

Wie entstehen deine Songs bzw. wie ist der Arbeitsprozess im Studio? Machst du alles im Alleingang, arbeitest du auch mit akustischen Instrumenten und anderen Musikern?
Die Songs entstehen meistens alleine bei mir im eigenen Studio (SoulStormStudio), ob mit verschiedenen Sequenzern wie Logic, Pro-Tools, Garage Band oder diversen Samplern wie MPC 2000xl oder MPK. Bei der neuen RhodeTrip EP wurde aber zum Beispiel der Bass beim Bonus-Track von Stephan Kondert (SK Invitational) eingespielt. Hin und wieder holt man sich also akustische Verstärkung, sei es von meiner Backing-Band Basic Sound aus Oberösterreich, die mich öfter Live bei meinen Gigs begleitet und meine Original-Produktionen umsetzen oder diversen anderen Musikern. Textlich wird natürlich immer und überall etwas notiert, aus dem dann vielleicht ein kompletter Songtext entstehen kann. Aber meistens werden die Lyrics dann im Studio ausgefeilt und fertig geschrieben. Kann aber auch, wie gesagt, genauso gut unterwegs passieren, ganze egal wo.

Apropos unterwegs: Wann und wo gibt es Chill-ill live zu erleben und wie sieht das Line-up aus?
Auftritte mit Live-Band sind derzeit im Herbst und Winter 2011 Auftritte geplant. Weiters spiele ich übers Jahr verteilt auch mit DJ E.Kwality und Backup-Mc 1ouis immer wieder Live-Shows in Österreich. Es gibt also verschiedene Bookingmöglichkeiten die wir anbieten können, ob mit sechsköpfiger Live-Band, eine Show mit DJ und BackUp plus Drummer, oder ein normales DJ-Set meinerseits. Wir sind da sehr facettenreich was Live-Shows angeht. Für aktuelle Termine einfach auf www.chill-ill.at informieren.

Wie sieht es mit Unterstützung für dein Projekt aus (Label, Booking, Gönner, Community, Förderungen)? Kannst du von der Musik leben?
Im Gegensatz zu meinem Debütalbum, das ich im Eigenvertrieb verkauft habe, wird die aktuelle RhodeTrip EP von office4music.com vertrieben. Somit kann die EP als CD in allen deutschsprachigen Ländern in Shops wie Media Markt oder Saturn, und weltweit als Download auf diversen Portalen wie iTunes und Amazon bestellt werden. Da es immer schwieriger wird eine passende Plattform für eigene Releases zu finden, gefällt mir diese Lösung sehr gut. Wenngleich  die Ausgaben für das Album, trotzdem in meinen Händen bleiben. Für eine Vinyl-Auflage von RhodeTrip habe ich eine Förderung beantragt, ist aber noch nicht bestätigt. Booking, Grafik und weitere Tätigkeiten mach ich alle selbst. Das hat aber auch Vorteile, da man alles im Überblick hat und unabhängig ist. Nebenbei bin ich Vollzeit angestellt, kann also von der Musik alleine leider noch nicht leben, aber irgendwie müssen sich ja die Tonträger finanzieren. 😉

rhodetripep_cover_72dpiEine Besprechung der neuen EP von CHill-iLL und das ofizielle Video zu „Secret Route“ präsentiert euch backbeat in den kommenden Wochen.

Interview: Alexander Csurmann
Fotos: CHiLL-iLL