"Chambers, Pearl und Penzing": Alexander Petkov im Portrait

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Das Tonstudio Penzing Records bietet nicht nur eine besonders wohlige Atmosphäre für ihre Kunden, sondern auch ein herausragendes Team an Studiomusikern. Der bulgarische Schlagzeuger Alexander Petkov hat dort im 14. Bezirk eine zweite Heimat gefunden und genießt sein Leben als Profimusiker und Schlagzeuglehrer.

Die musikalische Laufbahn von Alexander Petkov begann bereits im zarten Alter von fünf Jahren an einer Musikschule in Bulgarien. „Auf einem Schlagzeug habe ich aber erst mit zwölf oder dreizehn das erste Mal gespielt. Bis dahin spielte ich, wie es in Musikschulen üblich ist, nur auf der Kleinen Trommel, hatte dazu noch Klavierstunden und Unterricht in Musiktheorie.“

Mit dreizehn begann er dann in den ersten Bands zu spielen. Obwohl er auch danach weiterhin Unterricht nahm, besuchter er später nie eine Hochschule. „Ich bin nicht auf´s Konservatorium gegangen da mir schon die Atmosphäre in der Musikschule nicht mehr gefallen hat.“ Lieber startete er in Sofia mit Kollegen eine Heavy-Metal Band und es folgten die ersten Auftritte und Tourneen.

Während dieser „harten“  Zeit, geprägt von schnellem Double-Bass Spiel, entwickelte sich vermehrt das Interesse für andere Musikstile. „ Nach und nach bekam ich ein Gefühl für den Sound von Jazz und Funk, und ich machte Bekanntschaft mit den großen der Szene wie Billy Cobham oder Toni Williams.“ Sein wichtigster Begleiter und Inspirator aus dieser Zeit ist bis heute aber Dennis Chambers geblieben. „Ich verstand zu dieser Zeit eigentlich nicht was er bei den meisten seiner Aufnahmen gespielt hat. Ich spürte nur eine besondere Freiheit und Energie in seiner Art zu spielen, die ich auch bei mir selbst spürte und es klang so, wie auch ich immer klingen wollte.“

Zunächst begann er die komplexen Stücke seiner Lieblingsalben zu analysieren und versuchte sie danach selbst zu spielen. Über seine Bevorzugten Übungsmethoden sagt er: „Acht  Jahre lang übte ich immer wieder auf Decken und Pölstern. Durch den fehlenden Rebound half mir diese Methode besonders dabei schneller zu werden und unterstützte den Muskelaufbau.“ Mit technischen Übungen aus Lehrbüchern und Rudiments beschäftigte er sich nach seiner Musikschulausbildung kaum noch. „Meist setze ich mich ans Schlagzeug, improvisiere, versuche Lieder aus dem Kopf abzurufen oder spiele zu Aufnahmen.“

Die Jahre nach dem Ende des Kommunismus im Jahr 1990, waren für ihn und viele Musiker in Bulgarien sehr schwierig. Musik wurde im öffentlichen Leben kaum wahrgenommen und es gab wenige Auftrittsmöglichkeiten. „Etwa im Jahr 1995 begann ich dann mit Jazz-Fusion Bands zu spielen. Darauf folgten Auftritte mit Größen der bulgarischen Jazzszene, wie Milcho Leviev oder den Wladigeroff Brüdern.“

Über eine Einladung, der in Wien lebenden Brüder Alexander und Konstantin Wladigeroff, kam er auch das erste Mal nach Wien. „Ich fand die Stimmung hier echt leiwand und ich hatte das Gefühl frei atmen zu können“, worauf er sich im Jahr 2003 entschied hier zu leben. Anfangs war es auch hier nicht leicht und er musste für seinen Lebensunterhalt jeder Arbeit nachgehen die er finden konnte. „Ich arbeitete auf Baustellen, für ein Cateringservice, schleppte Möbel bei Umzügen oder half bei verschieden Konzerten als Stagehand. Mir ging es zu dieser Zeit verständlicher Weise nicht besonders gut und ich hatte selbst die Freude am Spielen verloren. Aber ein Foto von Dennis Chambers, dass ich damals an der Wand hängen hatte, motivierte mich weiterzumachen und nicht aufzugeben.“

Einem Freund in Wien ist es zu verdanken, dass er in dessen Wohnung sein Schlagzeug unterbringen konnte und so die Möglichkeit zu Üben hatte. „Ich hauste zu dieser Zeit in einem Keller und hatte natürlich keinen Platz für mein Schlagzeug.“

Abgesehen von einer neuen Snare und Becken, spielt Petkov das gleiche Drumset von damals auch noch heute. Es ist ein Premier Set aus dem Jahre 1965, wie es zum Beispiel auch von Rick Mason bei den Aufnahmen zu Pink Floyds Debutalbum „The Piper at the Gates of Dawn“ verwendet wurde. „Eigentlich ist es ein typisches Bebop-Set, das sich aber auch hervorragend für Funk eignet.“ Erworben  hat er es in den 90er Jahren für unglaubliche 150 Dollar. „Ich hatte riesen Glück, denn heute bezahlt man dafür mit Sicherheit ein Vielfaches.“

Um nicht ganz aus dem Spielrhythmus zu kommen begann er, da er aufgrund fehlender Kontakte keine anderen Möglichkeit hatte, zunächst bei verschiedenen Jam-Sessions in Wien zu spielen. Häufig traf man ihn zu dieser Zeit im Ost-Klub, wo er auch den polnischen Gitarristen Paul Calvo kennenlernte. Aus der Bekanntschaft wurde eine Freundschaft und sie gründeten, zusammen mit einem australischen Bassisten, das Paul, Petkov Trio. Nachdem der Bassist das Trio verlassen hatte trafen sie bei der Suche nach einem Ersatz auf den Wiener Johann Schön. „Wir hatten riesen Glück, denn Hans hat wirklich unglaublich viel für das Trio getan.“

Über die Jam-Sessions im Ost-Klub kam er zu seinem Engagement in der Band der türkischen Sängerin Özlem Bulut. „Nach nur zwei Proben nahmen wir 2008 an einem Weltmusik-Wettbewerb teil und gewannen den Publikumspreis als beste Weltmusikband Österreichs. Danach folgte ein Auftritt auf dem Donauinselfest, Pressetermine und professionelle Fotos wurden gemacht. Doch schon kurz darauf kam es zur Spaltung der Band. „Zwischen Özlem und dem Komponisten der Band (Anm. d.Red.: Roumen Dimitrov) kam es kurz nach unseren ersten  Erfolgen zum Bruch. Dies führte zur Spaltung der Musiker in zwei Lager und ich entschloss mich das Ensemble zu verlassen.“

Petkov hat seit dem er  in Wien lebt schon mit vielen Musikern und auf so ziemlich allen Bühnen der Hauptstadt gespielt. „Die besten Erfahrungen hatte ich im Porgy & Bess, Birdland und der Szene Wien.“ Im Birdland traf er sogar einmal persönlich die österreichische Jazzlegende und Gründer des Klubs Joe Zawinul. „Er mochte meine Art zu spielen und lobte mich. Das hat mir Kraft und Selbstvertrauen gegeben und ich denke immer wieder gerne daran zurück.“ Solche Erfahrungen und Auftritte mit Jazzgrößen, wie dem amerikanisch-bulgarischen Pianisten Milcho Leviev, sind laut Petkov nicht nur „eine große Ehre“ sondern „es stärkt auch die Psyche und man wird dadurch ein besserer Musiker.“

Sein musikalisches Hauptaugenmerk liegt derzeit auf dem Paul, Petkov Trio. Zu Beginn probten die drei Musiker in einem „ziemlich heruntergekommen Proberaum“ im zehnten Bezirk. „Es hat dort zwar furchtbar gestunken aber wir haben unglaublich effizient gearbeitet.“ Bassist Johann Schön begann sich zu dieser Zeit, mit dem Einrichten seines eigenen Studios, einen Lebenstraum zu erfüllen. Anfangs konnte sich Petkov nicht wirklich vorstellen, dass dieses Vorhaben tatsächlich realisiert werden könnte. Dementsprechend glücklich ist er heute bei Penzing Records nicht nur eine Arbeitsstelle, sondern auch ein zweites Zuhause unter Freunden gefunden zu haben. „Hier fühle ich mich wie Alice im Wunderland. Es gibt eine Kaffeemaschine, einen Eiskasten und es wird sogar überlegt eine Dusche einzubauen.“

Über sein Verhältnis zu seinen Kollegen im Studio sagt Petkov weiter: „Wir sind wie eine Familie. Es ist sehr schwer nette und gute Leute zu finden mit denen man musizieren und arbeiten kann. Damit so ein Projekt funktioniert muss die Chemie stimmen und dafür muss man sich Zeit nehmen, wie in einer Beziehung.“

Neben Studioaufträgen als Schlagzeuger und in seinem Trio spielt Petkov auch Cachon im Weltmusik-Projekt Flarmenia, der armenischen Sängerin Rita Movsesian und dem Gitarristen Martin Kelner. „Martin  gehört zu den besten klassischen Gitarristen des Landes und ich genieße die Schönheit und Herzlichkeit  dieser Musik.“

Wie schon erwähnt  ist Dennis Chambers der wohl wichtigste Inspirator für den Stil von Alexander Petkov. Er würde aber nicht so weit gehen sich als „kleiner Klon“ seines Vorbilds zu sehen sondern unterstreicht noch einmal, „dass es ich ein ähnliche Energie in seinem und meinem Spiel spüre.“ Seinen Stil beschreibt er als „perkussiven Groove“, d. h. er versucht perkussive Linien in den Hauptgroove einzubinden. „Ich bin mit Sicherheit kein Bebop Schlagzeuger der sich höflich im Hintergrund hält wie etwa Brian Blade, sondern spiele Funk und Fusion mit Einflüssen aus dem Rock.“ Auch Schlagzeuger von extremen Metal-Bands, wie der Grieche George Kollias von Nile schätzt er sehr. „Freunde sagen manchmal zu mir, dass diese Musiker doch keine Technik hätten, aber ich habe noch keinen Jazzer solche Sachen spielen gehört. Ich interessiere mich generell für sehr unterschiedliche Musik, aber niemand kann alles spielen. Man muss wissen was man spielen will, was einem sein Herz sagt und dann diesen Weg konsequent verfolgen.“

Einen weiteren Höhepunkt in seiner musikalischen Laufbahn erlebte Alexander Petkov im Jänner dieses Jahres, als er vom Yamaha Drum Center in Sofia, zu einem Workshop eingeladen wurde. Diese Ehre wurde bis jetzt nur wenigen bulgarischen Schlagzeugern zu teil. „Ja, ich war einer der ersten Schlagzeuger aus Bulgarien die das machen konnten. Leider habe ich kein Schlagzeug geschenkt bekommen“, bedauert er schmunzelnd. Womit wir auch schon bei einem noch zu erfüllenden Traum des Bulgaren wären, „ein Endorsement-Deal mit Pearl Drums“ – wie Dennis Chambers.

Bei seiner Tätigkeit als Schlagzeuglehrer ist es für in das Wichtigste seine Schüler zu inspirieren und ihnen den Spaß am Instrument zu vermitteln.  „Ich habe so viele Musiker gesehen, bei denen nach vielen Jahren der Erfahrung die Inspiration einer Routine gewichen ist. Möglicherweise ist das nach vierzig oder mehr Jahren auf der Bühne auch verständlich aber ich weiß, dass ich ohne die Musik nicht leben könnte und deshalb ist es wichtig, bei all dem Üben nicht die Freude daran zu verlieren.“

Alle Informationen, Angebote, Kontake zu Alexander Petkov seinen Bandprojekten und dem Studio gibt es auf der Homepage www.penzingrecords.com.

Weiters verlost backbeat vier handsignierte EP´s des Paul, Petkov Trios an jene interessierten LeserInnen, die den Namen der Hauptstadt von Bulgarien an  info@backbeat.at senden.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=nmiUNWWv2MU]

Bericht: Alexander Csurmann

Fotos: Penzing Records