"LIVE IT OR LEAVE IT": Pit Romersa bittet zum Tango

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Mit seiner Band Eternal Tango sorgt der Luxemburger Schlagzeuger Pit Romersa gerade international für Aufsehen. Mit ihrem neuen Album „Welcome To The Golden City“ gastierten sie im Rahmen des TBA Birthday Bash dreimal in Österreich. Im backbeat-Interview erzählt der „Drummer des Monats: April“ alles über seinen Werdengang und seine Philosophie des Drummings.

Was hat dich dazu bewogen Schlagzeuger zu werden?
Als Jugendlicher hatte ich das Bedürfnis, wie viele Andere ein Instrument zu erlernen. Da jedoch für meine Eltern zu beginn ein Schlagzeug zu teuer war, um mich bloss ein bisschen auszutoben, fing ich an Gitarre zu spielen. Dies hat mich jedoch nie vollständig befriedigt. Als ich dann eines Tages, im Alter von sechzehn Jahren, Bekanntschaft mit einem Schlagzeuger einer Düdelinger  Rockband gemacht habe und dieser mir einige Standard Beats zeigte, war ich sofort begeistert und nahm meine ganzen Ersparnisse zusammen, um mir damit mein langersehntes erstes Schlagzeug zu kaufen. Ab dem Moment nahm das ganze seinen Lauf, indem ich gleich mit meinen besten Freunden eine Band gegründet habe und regelmässig geprobt habe. Aus dieser Truppe entstand späterhin Eternal Tango. Wir waren alle keine gelernten Musiker und haben uns somit alles selbst beibringen müssen und sind somit auch musikalisch zusammen gewachsen. Ich habe nie eine richtige Schlagzeugausbildung gehabt, womit ich bis heute auch noch keine Probleme hatte. 2008 nahm ich jedoch an einem Drum-Workshop in Luxemburg teil, der von  Martin Stoeck (u.a PUR) gehalten wurde. Hier konnte ich mir einige Tipps und Tricks abschauen, die mir bei meinem späteren Spielen sicher von Nutzen waren. Meine Vorbilder kommen hauptsächlich aus dem Punk, da ich es schon als junger Pit, bewundernswert fand wie schnell diese Spielen konnten (lacht). Ausserdem stehen Steve Gadd,und Buddy Rich ganz oben auf meiner Favoritenliste.

Wie sah dein erstes Drum-Set aus und welches spielst du heute?

Mein erstes Schlagzeug war ein recht billiges, schwarzes Modell von SONOR. Ich kann mich jedoch leider nicht mehr an die Serie erinnern, da man mir dieses vor Jahren aus unserem damaligen Proberaum, nach einem Einbruch, gestohlen hat und mir bis heute bloss die Snare blieb. Heute spiele ich mit einer glitzernden MAPEX Pro M. Größen: Bassdrum 22, Hängetom 12, Floortom 16 und eine schwarze Steel Black Panther Snare 14 Zoll. Die Black Panther Snare ist mir sehr ans Herz gewachsen, da ich mittlerweile von Holz auf Stahl umgestiegen bin und mein neues Baby mir den offenen Sound bietet den ich so liebe. Seit gewisser Zeit spiele ich MEINL Becken, mit denen ich ebenfalls sehr zufrieden bin. Zwei Byzance Crashes (19, 20 Zoll), die mir einen schönen tiefen Sound liefern, der meines Achtens gut zu meinem Spiel und unseren Songs passt.

Gibt es bestimmte Stilistiken die du bevorzugst?
Da ich kein gelernter Schlagzeuger bin, muss ich gestehen, dass ich mich nicht sehr viel mit verschiedenen Stilistiken auskenne bzw. unbewusst welche einbringe ohne sagen zu können um welche es sich handelt. Ein guter Freund, Jeff Herr, musste mich mal bei einigen Shows bei Eternal Tango ersetzen und habe somit einige Zeit mit ihm am Schlagzeug verbracht. Er ist einer der besten Jazz-Schlagzeuger aus Luxemburg und konnte mir einen Einblick in seine Welt verschaffen. Auf jeden Fall bin ich offen für alles und höre auch verschieden Stillrichtungen, um mich von allen inspirieren lassen zu können. Es soll für mich einfach nur passen und Spass machen. Egal ob es nun Jazz, Funk oder Metal ist.

Was ist dir bei der Auswahl deiner Drumsticks wichtig?
Schwierig zu sagen. Früher habe ich sehr oft hin und her gewechselt und wusste selbst nie welche zu mir passen. Mittlerweile spiele ich nur noch mit Vic Firth 5A, weil mir diese am besten in den Händen liegen und ich mein Spiel besser ausführen kann. Ich denke, dass jeder Schlagzeuger seine Sticks mit verbundenen Augen wieder erkennen würde, da es einfach auf das Gefühl ankommt.

Wie und wie oft übst du – hast du bestimmte Vorlieben?
Wie vorhin schon erwähnt bin ich Autodidakt. Somit waren Schulen nie ein Thema für mich. Jedoch schaue ich mir gerne machmal diese Online-Drum-Schools im Internet an, da ich mir dort schon einige Ideen abschauen konnte. Wir proben mit Eternal Tango fast jeden Tag und komme so auch regelmäßig zum Üben. Zu hause trommele ich gerne Paradidels auf meinem Schoß aber nehme auch mal gerne die Agostini Rhythmen auseinander, da ich mir die Standard Noten zum Spass und aus Interesse selbst beigebracht habe.

Wie bereitest du dich auf Aufnahmen vor?
Da ich ständig viel und unterschiedlichste Musik höre, habe ich fließend Inspiration für neue Songs und dementsprechend ebenfalls fürs Album. Desweiteren lese ich viel über das Recorden von Schlagzeug, bzw. schaue mir Videos auf Internet an um Ideen für die unterschiedlichsten Dinge zu bekommen. Ich mache mir auch viele Gedanken über mein Spiel für alle einzelnen Songs, inwiefern die Breaks, Fills usw. Sinn für den Song und den Sound ergeben.Natürlich versuche ich auch körperlich, wie auch geistig fit zu sein, damit ich 100 Prozent konstruktiv arbeiten kann.
Im Bezug auf das neue Album („Welcome To The Golden City“ Anm.) war es etwas ungewöhnlich, da wir zuvor das meiste selbst aufgenommen haben und wir dieses Mal alles in Bochum in einem professionellen Kader recordet haben. Somit wusste ich zu Beginn nicht wie der genaue Verlauf des Aufnehmens aussehen würde. Mittlerweile bin ich mit dem System dieses Studios bekannt und fühle mich auch sehr wohl in der Zusammenarbeut mit dem Produzenten, was die Arbeit natürlich um einiges erleichtert. Dashalb versuche ich bei allen Aufnahmen immer einen klaren und freien Kopf zu haben.

Spielst du auch in anderen Bands, neben Eternal Tango?
Ich habe 2006 für ein Jahr bei der Punk Band VersusYou Schlagzeug gespielt und auch die erste Platte mit  ihnen aufgenommen. Aus zeitlichen Gründen musste ich die Band verlassen, um mich dann vollständig auf Eternal Tano konzentrieren zu können. Es war auf jeden Fall eine gute Erfahrung, da ich bei VersusYou neue Stilistiken in mein Spiel mit einbezogen habe, die ich jetzt wieder einbringen konnte. Es war einfach eine andere Weise zu Spielen und habe auch tolle Freunde fürs Leben gewonnen.

Neben dem präzisen und songdienlichen Spiel auf „Welcome To The Golden City“ fällt besonders deine vielfältiger Umgang mit der Hi-Hat auf. Ist dir die die Hi-Hat allgemein sehr wichtig?
Die Hi-Hat gilt ja bekannterweise, mit der Snare und der Bassdrum zum Grundgerüst eines Schlagzeuges. Ich wollte dieses mal, anders als bei der ersten Platte, versuchen mich mehr auf das Wesentliche zu beschränken und aus dem Standard-Set viel herauszuholen. Es sollte jedoch keinesweges zu viel herausstechen, da das Schlagzeug die Lieder begleiten und die Hörer zum Kopfnicken bringen soll, ohne damit die vollständige Aufmerksamkeit auf das Schlagzeugspiel zu lenken. Dies ist auch nie in meinem Intesse, da ich in einer Band spiele in der wir zusammen als Team funktionieren. Das heißt, dass jeder seine Rolle so ausüben soll, dass es konstruktiv und für die Songs fördernd ist.
Das Spiel mit der Hi-Hat verhilft mir dazu auf dem Boden zu bleiben, im Sinne, dass Crashes in meinen Augen oft zu sehr nach Aufmerksamkeit schreien. Weiters bevorzuge ich kleine, leichte und detaillierte Rhythmen  mit der Hi-Hat die man erst bei genauerem Höhren wahrnehmen kann. Ausserdem sind bei einigen Parts manche Schläge nicht immer genau und sauber, weil das Schlagzeug auf dem Album realer und lebendiger klingen lässt und eine Plastizität im Sound verhindert.

Wie waren die letzten Konzerte in Österreich – wo gibt es das neue Album zu kaufen – wann spielt ihr wieder in Österreich und was steht als nächstes auf dem Eternal Tango Programm?
Die letzten Austria-Shows waren wieder ein sehr schönes Erlebnis, wobei ich mich besonders beim grossartigen TBA Magazin bedanken muss, das uns diese Konzerte ermöglicht hat. Vor der letzten Tour waren wir schon einige Male in Österreich und hatten auch damals eine sehr schöne Zeit. Dieses mal waren es drei Shows in Wien, Innsbruck und Klagenfurt, die wir mit sehr netten Menschen erlebt haben. Bemerkenswert ist auch, wie professionnel in Österreich auf Konzerten gearbeitet wird und freuen  uns immer wieder auf eine Rückkehr nach Österreich! Es wird sicher nicht mehr lange dauern bis wir den Weg zurück finden werden.
Die Platte gibts ab jetzt in jedem guten Plattenladen zu kaufen und ist ebenfalls auf Itunes und allen anderen Onlineshops erhältlich.
In nächster Zeit werden wir sehr viel unterwegs sein. Hauptsächlich touren wir jetzt durch Deutschland und ende Mai gehen wir eine Woche  mit den grossartigen Madsen auf Tour.
Weitere Informationen gibts auf www.eternaltango.net und www.myspace.com/eternaltangband.

Was bedeutet Schlagzeugspielen für dich – gibt es eine „Romersa Drum-Philosphie“ ?

Natürlich bedeutet Schlagzeugspielen fast alles für mich! Ich kann mich nirgends so entfalten wie beim Drummen. Es gibt mir einfach das komplette Gefühl von Freiheit und Frieden. Es soll ausserdem einfach Spass machen und niemals erzwungen sein.
Die „Romersa-Philosophie“ lautet: „LIVE IT OR LEAVE IT“ – im Bezug auf´s Drummen natürlich.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=y7BQyzJrB3o]

Interview: Alexander Csurmann

Fotos: Pit Romersa