Metal-Facharbeiter: "Mecki" Dörr und Reini Reither im Interview

1900042_746890288668813_978084919_nAm 19. und 20. September 2014 wird St. Pölten wieder zum Heavy Mekka. Das STP Metalweekend lockt schon seit Jahren unzählige Fans der Schweißkunst in die niederösterreichische Landeshauptstadt. Die beiden Veranstalter Christian “Mecki” Dörr und Reini Reither blickten für Backbeat hinter die Kulissen des Festivals. Hälfte Eins eines zweiteiligen Interviews, Fortsetzung folgt. Von Martin Macho

Seit wann findet das Metalweekend statt?

Reini: Das Festival gibt es seit 2007, also heuer bereits zum achten Mal. Immer in der Jugend- und Kulturhalle frei:raum in St. Pölten.

Was wird den Metal-Fan heuer erwarten?

Reini: Bis 2013 war der Grundgedanke des Metalweekends, ausschließlich heimische Bands auftreten zu lassen. Heuer ist die Konstellation insofern spezieller, da die Jugend- und Kulturhalle neu errichtet wurde. Quasi als Zuckerl wollten wir uns daher auch nach internationalen Acts umsehen. Als erste bestätigte Headliner-Band werden uns Hail Of Bullets aus Holland die Ehre geben. Weiters wird die mexikanische Grindcore-Band Semen am 19. September ihren ersten Österreich-Gig beim Metalweekend absolvieren.

Metal genießt in Österreich ein hohes Standing. Wie war das Publikumsinteresse beim Metalweekend bisher?

"Mecki" am eigenen Schweißgerät

„Mecki“ am eigenen Schweißgerät

Mecki: Bis auf einen kleinen Einbruch im letzten Jahr waren wir bis jetzt immer ausverkauft. Wir sind zuversichtlich, dass wir aufgrund des internationalen Line-Ups als Zugpferd kein Problem haben werden, das auch 2014 wieder zu schaffen. Natürlich ist der frei:raum ein nicht allzu großer Veranstaltungsort, aber der wurde bewusst gewählt, denn ein wirkliches Großfestival lässt sich ohne die dementsprechend potenten Sponsoren im Hintergrund kaum stemmen.

Reini: Beim Metalweekend spielt sicher auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Unsere Zielvorgabe an uns selbst war immer, die Eintrittspreise am untersten Limit zu kalkulieren, so besucherfreundlich wie möglich. Für einen Zwei-Tages-Pass haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr 13 Euro verlangt. Aufgrund der Internationalität müssen wir heuer die Preise etwas anheben, die Tageskarte wird im Vorverkauf 19 Euro kosten. Aber selbst das ist für ein Festival dieser Kategorie schwer an der untersten Grenze.

Mecki: Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch, dass bei uns jede Band eine Fixgage erhält, ohne dass es einen Kartenverkaufszwang gibt. Wer Tickets freiwillig verkaufen will, kann das selbstverständlich tun. Dadurch erhöht sich dann auch die Gage.

Was kann sich der Laie unter der Tätigkeit eines Konzertveranstalters beim Metalweekend vorstellen?

Mecki: Da wir vom frei:raum gut unterstützt werden, ist es für uns relativ einfach, den Wunschtermin Mitte September zu reservieren. Schon kurz nach dem jeweiligen Festival haben wir das Datum für das nächste Jahr fixiert und erste Bands im Kopf, die wir bei der nächsten Auflage gerne dabei hätten. Bis spätestens Jänner konkretisiert sich das Line-Up. Das Booking teilen sich Reini und ich auf. Beim Festival selbst kümmere ich mich dann auch um die technische Abwicklung. Reini hat die Abrechnung über, mit den Bands und auch hinsichtlich des Merchandisings. Mittlerweile ist das Prozedere schon irgendwie Routine geworden. Wir wissen, wer welche Infos braucht, um die Flyer, Eintrittskarten oder das Layout zu machen.

Reini: Wir haben auch großartige Partner, mit denen wir zusammenarbeiten und die uns unterstützen. Die grafische Aufbereitung oder das Catering ist bei uns in verlässlichen Händen. Außerdem muss an dieser Stelle gesagt werden, dass wir hier in Niederösterreich bzw. St. Pölten mit den notwendigen Kulturfördergeldern gesegnet sind. Andernfalls könnten wir so niedrige Eintrittspreise sicher nicht anbieten.

Was ist der Anreiz für eine Band, beim Metalweekend zu spielen?

Reini gibt die Richtung vor

Reini mit Richtungsanzeige

Reini: Das mag jetzt egoistisch klingen, aber die Bands, die bei uns spielen, suchen wir uns selbst aus. Bewerbungen haben wir unzählige. Es gibt natürlich so etwas wie Fixstarter. Ein Metal-Festival in St. Pölten ohne die Lokalmatadore Epsilon und Aeons Of Ashes würde keinen Sinn machen. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz, die beiden haben, sofern sie wollen, immer einen Slot. Dazu gibt es dann drei Kategorien von Bands, die wir uns suchen: Die Opener-Bands. Hier wollen wir jungen Gruppen, wenn möglich aus der Umgebung, die Chance bieten, vor einer großen Kulisse zu spielen. Dann die Headliner-Bands. Da hat schon so ziemlich alles, was in Österreich im Metal-Bereich Rang und Namen hat, bei uns gespielt: Von The Sorrow und Zombie Inc. über Devastating Enemy bis hin zu Chaos Beyond, die ja jetzt für den Amadeus Music Award nominiert wurden. Die dritte Kategorie sind dann schließlich die Gruppen, die die Slots Zwei bis Sechs belegen.

Mecki: Da wir aber neben dem Metalweekend auch die Tales From The Moshpit-Reihe veranstalten (seit 2006 über das Jahr stattfindende Einzelkonzerte, auch im frei:raum, Anm.), besteht die Möglichkeit, nicht berücksichtigte Bewerbungen dort unterzubringen. Oder auch umgekehrt, falls uns der Act bei den Tales so vom Hocker reißt. Grundsätzlich muss man sagen, dass wir bis jetzt kaum Absagen hatten. Spricht auch für den Ruf des Festivals.

Erfolgt die Kontaktaufnahme direkt mit den Bands, oder mit dem jeweiligen Management?

Mecki: Bei Bands dieser Größenordnung meistens direkt mit den Musikern. Hin und wieder ist vielleicht eine Booking-Agentur dazwischen geschalten, die kennt man aber über die Jahre auch schon. Bei den Headlinern geht das durchaus schon über größere Agenturen oder Managements. Mit wem wir das Ganze fixieren ist aber eigentlich zweitrangig. Wichtig ist in erster Linie nur, dass der Künstler sich gut betreut fühlt, soweit es in unseren Möglichkeiten ist.

Seht ihr das Festival auch als potentielle Netzwerk-Plattform?

Mecki: Klar. Viele der Bands kennen sich untereinander sowieso. Da das Metalweekend größenmäßig sicher überschaubar ist, ohne abgetrennte Bereiche für die Headliner-Bands, passiert es aber fast zwangsläufig, dass sich Musiker über die Szene oder die Technik austauschen. Ein Großteil der Bands ist dann auch bei den mittlerweile schon legendären After-Show-Partys im Underground (St. Pöltener Pub und Szene-Treff, Anm.) dabei. So gesehen kann man beim Metalweekend einen zusätzlichen Benefit zu kreieren.

Wird die Ausweitung auf den internationalen Raum auch für die Metalweekends der Folgejahre angedacht?

Reini: Die Entscheidung, ob wir 2015 wieder nur österreichische Bands am Metalweekend haben wollen, wollen wir jetzt noch gar nicht treffen. Mit Sicherheit keinen Sinn macht es, ausländische Bands zweimal hintereinander als Headliner zu booken. Da gibt es in dieser Preisklasse genug andere, die man holen könnte. Bei lokalen Acts mit einer gesicherten Fanbase ist das natürlich anders gelagert.

 

Weblinks:

www.facebook.com/stpmetalweekend

www.facebook.com/talesfromthemoshpit

www.freiraum-stp.com

www.hailofbullets.com

www.facebook.com/semengoregrind?

www.facebook.com/epsilonthrash

www.facebook.com/AeonsOfAshes

 

Fotos:

„Mecki“: © Christian Dörr

Reini: © Caroline Traitler