The Lucid

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Vom tiefen Vorort zu ernsten Helden im heiteren Mobil und mit Vitaminen vollgestopft zur langersehnten Erleuchtung – Backbeat im Gespräch mit The Lucid Gitarrist Oliver Foltin.

Was gibt es über die  Enstehungsgeschichte der Band The Lucid zu erzählen?

Kennengelernt habe ich Martin Pittamitz und Matthias Liertzer vor ca. 10 Jahren als ich als Keyboarder der Hinterbrühler Musikschul-Band beigetreten bin.  Wir waren von den ca. 8 Leuten die einzig 3 Motivierten und haben dann nach ein paar Jahren begonnen selbst Lieder zu schreiben. Anfangs hatten wir immer Probleme mit Schlagzeugern bis wir 2002 (sollte es gewesen sein) unseren jetzigen Matthias Rigal kennengelernt haben. Achja nicht zu vergessen sind unsere großartigen, ständig wechselnden Bandnamen wie zb Deep Burp, Die seriösen Ernstmacher, Heroes Of The Day, Mirth Mobile und letztendlich The Vitamins unter dem wir auch bis vor unserem Bassisten-Wechsel voriges Jahr bekannt waren. Mit unserem neuen Bassisten Florian Haider kam auch neuer Schwung in die Band. Ein eindeutiger Stil hat sich entwickelt, der sich am besten als Alternative Rock beschreiben lässt.  Alte Lieder wurden ausgemistet und ich wurde zum „nur-Gitarristen“ degradiert, da meine Stimme einfach nicht ganz passte. Martin Pittamitz übernimmt seitdem den Gesangspart. Genug Gründe um den Bandnamen wiedermal zu ändern:  The Lucid wurde gegründet! Seit dem Zeitpunkt an hat sich einiges getan und ich glaube das war auch der Zeitpunkt, seit dem alle 4 Mitglieder zum ersten mal überzeugt waren von der Band.

Wie definiert ihr selbst euren Stil und orientiert ihr euch an anderen Bands bzw. Stilrichtungen?

Wie schon erwähnt beschreiben wir unseren Stil als Alternative Rock. Man will natürlich immer sein eigenes Ding durchziehen und in gewisser Weise hat jede Band etwas komplett eigenes, aber es wird immer vorkommen das eine oder das andere schon irgendwo gehört zu haben. Im Prinzip merke ich es an mir selbst: wenn ich ein Lied schreibe, ist manchmal ein Einfluss zu erkennen von Bands die ich derzeit höre. Bewusst orientieren wollen wir uns so gesehen nicht an anderen Bands, sowas passiert eher. So generell würde ich sagen, dass wir Ähnlichkeiten zu Foo Fighters, Incubus, QOTSA, Jimmy Eat World, Biffy Clyro und vielleicht sogar ein wenig Tool haben.

Wie entstehnen die Songs wer ist für die Texte verantwortlich?

Die Songs entstehen ganz unterschiedlich. Häufig durch Zufall beim Jammen, manchmal kommt jemand auch mit einem fast fertigen Lied zur Probe. Viele Bands werden wahrscheinlich die Lieder gemeinsam schreiben, ich bin jedoch der Meinung, dass man die größte Kreativität doch alleine erreicht. Auf diesen Grundideen kann man dann gemeinsam aufbauen. Das Songwriting ist meines Erachtens recht ausgetüftelt. Viele Feinheiten, sehr unterschiedliche Beats und prägnante Riffs sind uns da sehr wichtig. Die Texte schreibt immer wer anderer von uns, hauptsächlich jedoch Matthias oder Flo.

Gibt es eine Grundausage oder ein bestimmtes Themengebiet das ihr mit eurer Musik oder den Texten verfolgt?

Eine Grundaussage gibt es nicht. Unser Themengebiet aber das Leben selbst, in dem sich doch immer wieder Inspiration finden lässt.

In welche Richtung geht der Weg der Band? Strebt ihr einen Labelvertrag an oder seit ihr dem sogenannten Underground zugetan?

Tja das ist so eine Sache… im Prinzip sind wir alle 4 Studenten, im Hinterkopf jedoch ist natürlich auch immer der Wunsch mit der Band Erfolg zu haben; gibt für uns alle sicher nichts Schöneres. Aber da bleiben wir realistisch, wenn es passiert ist es großartig, wenn nicht, werden wir nebenbei trotzdem weitermachen. Macht ja schließlich Spaß! Erfolg möchte ich noch weiter definieren: Es ist halt die Frage ob man glücklich ist, wenn man viele Konzerte runter spielt, die auch gut besucht und erfolgreich sind jedoch kommt man mit der Gage dann gerade so durch.

Welche Entwicklungen der Band gab es seit der Gründung? Alben oder besondere Gigs?

2004 waren wir mit The Vitamins im Studio und haben in 2 Tagen 8(!) Lieder aufgenommen. 2006, 2007 ein weiteres Demo mit 3 Liedern. 2008 gab es wieder eine Aufnahme bei einem anderen guten Freund, Christoph Wimmer in Baden. Unserer ersten EP mit 3 Liedern sollte demnächst fertig werden. Die Songs sind schon eingespielt,  jetzt muss nur mehr gemixed und gemastert werden. Weiters werden wir die Lieder unter „Creative Commons“ lizensieren lassen.

Zu den Gigs: Es gab schon viele Gigs wo wir uns gerne zurückerinnern, wie zum Beispiel im April dieses Jahres, als wir im fast vollen U4 gespielt haben. Es gab eigentlich bislang sehr wenige Konzerte die uns weniger gut in Erinnerung sind. Die Kritik der Fans bzw. der Veranstalter war immer sehr positiv.

Wie sieht die nähere Zukunft der Band aus? Pläne, Umstrukturierungen?

Viele viele Konzerte spielen und neue Fans dazugewinnen. Eine Band ohne Fans, ist wie ein Auto ohne Räder! In Planung ist auch ein Album, das wir vielleicht schon nächstes Jahr beginnen werden aufzunehmen.Umstrukturierungen sind an sich nicht geplant. Dazu verläuft alles zu harmonisch. Ein zusätzliches Mitglied würde das nur stören.

Wie siehst du/ihr die Situation für junge Bands in der Musiklandschaft Österreich? Wird genügend Unterstützt, gibt es ein Netzwerk zwischen den Bands?

Das scheint wohl das größte Problem zu sein… die Situation der Musiklandschaft in Österreich! Es scheint hier an allen Ecken zu fehlen. Junge Bands werden kaum unterstützt, ein Publikum bei einem Konzert besteht für alle Bands nur aus deren Fans die ohnehin immer dabei sind. Natürlich muss man von denen dann auch noch Eintritt verlangen.

Vor ein paar Jahren sahen wir Bandwettbewerbe als einfachen Start in die Musikbranche. Bands sehen darin die Chance eine Fachjury zu überzeugen, die Chance vor großen unbekanntem Publikum zu spielen und das alles ohne den geringsten Aufwand: Anmelden – fertig! Tja was passiert: Die Entscheidung wer weiterkommt liegt zur Hälfte beim Publikum im Saal und zur Hälfte an der Jury. Das heißt ich nehm meine 70-Köpfige Familie mit zu meinem Konzert, bitte sie über 7€ zu zahlen an Eintritt, wobei jeder Cent an die Veranstalter geht um die Motivation von völlig uninteressierten Jurymitgliedern zu kaufen, und das ganze um ihre band 15 Minuten spielen zu sehen. Im Saal befinden sich folglich genau die 70 Menschen die einem zujubeln, da die Fans der anderen Bands gerade nicht im Raum sind da sie ja nur für Ihre da sind, und man hofft dass man die meisten mitgenommen hat um in die nächste Runde zu kommen wo das ganze wieder von vorne losgeht. Reinste Abzocke! Scheint eine österreichische Idee gewesen zu sein. In anderen Ländern wie zum Beispiel in Deutschland, haben wir gehört, scheint es zu funktionieren. Dort sind dann mal 200 Leute im Publikum einfach um sich neue Bands anzuhören. Fazit: Nie wieder Wettbewerbe!

In Österreich ist es einfach irrsinnig schwer, eine größere Fangemeinde aufzubauen. Außer man darf sich „neuer Österreicher“ nennen oder eher schimpfen? Ein Titel, der einem alle Türen öffnet und endlose Wiedergaben im Radio bringt. Zielgruppe? Egal… Hauptsache die Vermarktung bringt eine Menge Kohle. Die Musik? Einfach, poppig, nur nicht zu kompliziert für junge pubertierende Mädls oder alte konservative Ö3-Hörer. Die Bands selbst können ja gar nichts dafür… warum nicht, wenn das richtige Geld reinkommt würde es doch eh jeder so machen. Neid? Ein wenig… aber um Gottes willen nicht wegen der Musik, sondern wegen den Umständen, dass es anscheinend doch nicht so schwer ist, halt nur für bestimmte Genres. Radiosender bzw. Fernsehsender haben doch ohnehin alle Möglichkeiten. Die Bemühungen sind teilweise schon da – siehe GoTV / Fm4 – aber bei weitem nicht ausreichen. Es gibt hier zu Lande Gruppen für ganz bestimmte Musikrichtungen. Eine Zielgruppe die zum Beispiel wir gerne Ansprechen würden, wäre einfach einmal gleichaltrige Leute. Weltbekannte Bands wie Incubus, Foo Fighters, Muse und so weiter, die Eigenständigen wunderbaren Rock machen haben es doch auch geschafft. Natürlich ist das Interesse in den Herkunftsländern ein anderes, aber Österreich wird es doch wohl schaffen, Kontakte ins Ausland zu knüpfen, wenn das Interesse in diesem Land nicht vorhanden scheint. Diese Unterstützung fehlt komplett.

Gibt es auch Nebenprojekte der einzelnen The Lucid Mitglieder?

„My Fingers Got Caught In The Door“: Ein The Lucid Nebenprojekt. Eine Coverband mit Martin Pittamitz am Gesang, Matthias Rigal am Bass, Flo Haider an der Gitarre und Oliver Foltin am Schlagzeug. Spezialisierung auf All-Time-Hits und The Vitamins Covers!

Interview: Alexander Csurmann

Foto: Oliver Foltin