Reclaim the stage – Frauen in die Musik

Auf den Bühnen Österreichs sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Um aber nicht nur klassisch österreichisch darüber zu sudern, zeigen wir euch, wie und wo sowohl Frauen als auch Männer diesem Zustand etwas entgegensetzen können.

 

„Du hast echt super gespielt…für ein Mädchen.“

– ein Zuseher

 

„Und du, machst du Merch?“

– Gitarrist einer anderen Band bei einem Auftritt („Merch machen“ bedeutet Merchandise-Artikel verkaufen)

 

„Als ich dich gesehen habe, hätte ich nicht gedacht, dass du so gut spielen kannst.“

– bis zu diesem Zeitpunkt potenzielles Bandmitglied

 

 

Diese drei Aussagen sind exemplarisch für die sexistischen Erfahrungen, die ich bisher in meinem kurzen Musikerinnendasein gemacht habe. Es sind jedoch keine Einzelfälle, sondern sie gehören zum Alltag vieler Musikerinnen, wie auch eine Vielzahl an Artikeln und Songs berichten. (zum Beispiel hier https://www.youtube.com/watch?v=dEN2GiZH0HM). Das Problem wird aber nicht nur an den persönlichen Erfahrungen von Frauen sichtbar. Im Jahr 2015 sind beispielsweise die Line-ups großer österreichischer Festivals, von denen alle Bands, die nur aus Männern bestanden, entfernt worden waren, durch die Medien gegangen. Das sieht dann sehr mau aus! (seht zum Beispiel hier) Ihr könnt aber auch einfach den Selbstversuch starten: Schaut doch mal ganz ehrlich durch die Interpretenliste auf eurem MP3 Player, Smartphone oder Laptop. Wie viele der Bands bestehen nur aus Männern? Und wie oft gibt es bei den übrigen Bands neben der Frontfrau keine weiteren Musikerinnen in der Band?

Nachdem wir uns jetzt natürlich alle einig sind, dass hier Ungleichheiten bestehen und das nicht so bleiben darf, ist die nächste Frage, was wir dagegen tun können.

 

Mehr Frauen müssen ermutigt werden, Musik zu machen!

Es gibt mehrere Events in Niederösterreich, Wien und Graz, die es sich zum Ziel gemacht haben, Frauen zum Musikmachen zu beflügeln. Unterstützt von Musikerinnen kann dabei jede, auch ohne Erfahrungen, gemeinsam mit anderen Musik machen. Im Vordergrund steht dabei zu zeigen, dass alle eine Berechtigung haben auf der Bühne zu stehen und sich diese zu eigen machen können. Als positiver Nebeneffekt lernen sich Gleichgesinnte kennen und Freundschaften und Bands entstehen. Hört sich super an? Finde ich auch! Möglichkeiten, das zu erleben sind das Girls Rock Camp, das Noise_Kränzchen und der Grrrls* Jam. Ab 6. April könnt bei uns übrigens ein Interview mit einer großartigen Schlagzeugerin, die am Girls Rock Camp mit ihrer Band zusammengefunden hat, lesen. Vorfreude!

 

Manche von euch fragen sich vielleicht, warum Männer bei diesen Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Ich sehe darin einen pragmatischen Weg zu einer Welt mit mehr Gleichheit. Frauen werden dabei gefördert und erhalten die Möglichkeit sich zu entfalten. Das große Ziel dabei bleibt aber, dass solche Events irgendwann nicht mehr notwendig sein werden, weil Frauen und Männer gleichberechtig sind.

 

Die Sichtbarkeit von Frauen in der Musik muss erhöht werden!

In Clubs und Bars, sowie auf Konzerten ist der Großteil der gespielten Musik von Männern produziert. Um dort mehr Musikerinnen zu hören, reicht es jedoch nicht aus, darauf zu warten, dass diese von selbst dort angeschwemmt werden. Es müssen aktiv Frauen an die DJ-Pulte und auf die Bühne geholt werden. Diese Aufforderung geht aber nicht nur raus an alle Club- und BarbesitzerInnen, sondern auch an das Publikum! Es gibt einige Events, bei denen Frauen eingeladen werden zu Spielen oder Musik von Frauen aufgelegt wird. Schaut dort doch mal vorbei! Besagte Events werden beispielsweise von den Labels „Unrecords“ (experimental/noise/punk/rock music) oder „Femme DMC“ (Hip Hop) veranstaltet. Die diesjährige Ausgabe von Hardcore for the Lozers’ „The future is female“ habt ihr gerade verpasst aber im Mai dürft ihr euch auf die „Pink Noise Girls Rock Camp Konzertgala“ freuen.

Zugleich sollten Frauen auch stärker in unserem privaten Musikkonsum vertreten sein. Damit ihr ohne langes Suchen sehen könnt, welche tollen Musikerinnen es in Österreich gibt, habe ich euch eine kleine Playliste erstellt! Hier gehts lang!

Wir alle sollten mehr darüber nachdenken, wie wir uns anderen gegenüber äußern und verhalten!

In scheinbar harmlosen Sätzen wie „Und du, machst du Merch?“ äußert sich bereits eine Erwartung der sprechenden Person und zwar, dass eine Frau, die mit einer Band unterwegs ist, keine Musik macht, sondern für die Männer nur T-Shirts verkauft. Oder extremer formuliert: Frauen gehören nicht auf die Bühne sondern hinter den Verkaufstresen. Auch wenn es nur eure Intention ist, ein Gespräch zu beginnen, solltet ihr euch bewusst sein, welche Erwartungen auch hinter einer beiläufigen Bemerkung stecken können und was ihr damit bei eurem Gegenüber auslösen könnt.

Abschließend möchte ich euch alle auffordern, aktiv zu werden! Veränderung wird nicht vom Himmel fallen. Ich kann euch aber versichern, alle genannten Vorschläge führen nicht nur zu mehr Gleichberechtigung in der Musik, sondern sie sind auch mit viel Spaß und tollen Erfahrungen verbunden!

 

 

Text: Mira Achter