Schlaginstrumente in der Kunstmusik – Ein geschichtlicher Überblick Teil II

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Bild Bruno A. Arnold

Besonders Bemerkenswert für die Emanzipation des Schlagwerks in der Kunstmusik, ist die in den Jahren 1927/28 komponierte Oper Die Nase von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch, nach einer satirischen Erzählung über die russische Bürokratie von Nikoai Wassiljewitsch Gogol, aus dem Jahre 1836. Dieses Werk enthält das erste tatsächliche Schlagzeugsolo der europäischen Musikgeschichte.

Kaum eine andere Instrumentengattung war letzten drei Jahrhunderte einer derart auffälligen Entwicklung unterworfen wie das Schlagwerk der Orchester- und Kammermusik. Die Rolle des Perkussionisten hat sich radikal verändert. Beschränkte sich die Aufgabe des Schlagzeugers im 18. und 19. Jd. weitgehend auf den Gebrauch der Pauke, so bedienen z. B. in Luciano Berios Circles 1960 zwei Spieler etwa dreißig Instrumente, im Werk in memorian Bruno Maderna 1975 von Pierre Boulez haben neun Schlagzeuger über sechzig Geräte zu spielen. Weitere Komponisten und deren Werke, die das Klangbild des Schlagwerks weiterentwickelten, waren Igor Strawinski (Le sacre du printemps 1913), Carl Orff (Carmina Burana 1937) oder Bela Bartok (Sonate für 2 Klaviere und Schlagzeug 1937). Viele Werke der zeitgenössischen Musik wären ohne umfangreiches Schlagwerk nicht denkbar. Die rasante Entwicklung gipfelte in der zweiten Hälfte des 20 Jd. mit der Formation reiner Schlagzeugensembles sowie in der Entstehung von Kompositionen ausschließlich für Schlagwerk.

Die Nase – Dmitri Schotakowitsch

Le sacre du printemps – Igor Strawinski

Sonate für zwei Kalviere und Schlagzeug – Bela Bartok

In der Unterhaltungsmusik, anfangs hauptsächlich im Jazz, ging die Entwicklung des Schlagzeugs Sonderwege. Da in der Regel nur ein Schlagwerker pro Ensemble zur Verfügung stand, suchte man nach Möglichkeiten, einzelne Instrumente mit einem Fußpedal zu bedienen. Ein erster Versuch war die Flemming-Maschine. Sie ermöglichte den Anschlag von Großer Trommel und Becken durch ein gemeinsames Pedal. Um die beiden Instrumente auch getrennt nutzen zu können wurde in den 1920er Jahren die nach dem damaligen Modetanz benannte Charleston-Maschine mit separatem Pedal für Große Trommel und Becken entwickelt. Das Pedal für das Becken lies zwei nur 30 Zentimeter über den Boden schwebende Becken per Fußdruck aufeinander schlagen. Da man die Becken aber auch mit den Händen bedienen wollte, wurde in den 30er Jahren die bis heute übliche Hi-Hat-Maschine mit weitaus höherem Ständer entwickelt. Zur Standart-Schlagzeugaustattung gehören bis heute Große Trommel(Base-Drum), Kleine Trommel(Snare-Drum), Tomtoms, einzelne Hängebecken und Hi-Hat.

Text: Alexander Csurmann

Quellen: MGG, Bärenreiter Metzler