Christian Herbst

Du warst in der Vorweihnachtszeit an der Seite von Singer-/Songwriter ELTO auf Tournee. Dabei hast du ihn nicht nur als Schlagzeuger, sondern auch als Cellist begleitet.

Ja, wir waren zwei Wochen in Deutschland unterwegs. Ich spiele bei dem Projekt sowohl Percussion als auch Cello, das wechselt von Lied zu Lied. Ursprünglich sollte ich sogar nur am Cello begleiten, aber mit der Zeit ist immer mehr Percussion dazugekommen. Ich habe ja mit fünf Jahren Cello begonnen. Nach zwei Jahren Betteln habe ich dann mit dreizehn anfangen dürfen, Schlagzeug zu lernen. In der Folge habe ich viele Lehrer gehabt, bis hin zum Konservatorium. Ich habe aber mit der Zeit immer mehr gemerkt, dass mich vor allem das Drumset interessiert, auch wenn ich Vibraphon, Marimba und weitere Perkussion auch sehr sehr spannend finde und ich gerne mehr Zeit dafür hätte, dort einzutauchen. Aber das Set war es dann im Endeffekt. An der Tournee war jedenfalls vor allem spannend, dass alles sehr persönlich war. Angefangen vom eigenständigen Organisieren bis hin zu den Konzerten selbst, die in intimer Wohnzimmeratmosphäre stattgefunden haben. Dadurch war alles recht unkompliziert und ich glaube, dass die Leute aus dieser Nähe einen viel direkteren Bezug zur Musik und zu uns als Personen bekommen.

Mit Manuel El-Tohamy spielst du auch in deiner Hauptband Solarjet zusammen, mit der ihr im Herbst die Single „Magnet“ herausgebracht habt. Für das Frühjahr ist dann das Album geplant. Wie gehen die Aufnahmen dafür voran?

Der erste Teil ist bereits fertig. Wir arbeiten nämlich mit verschiedenen Produzenten zusammen. Dadurch werden sechs Lieder mit Daniel Lang, unserem deutschen Produzenten und weitere fünf mit Markus Weiß und Bern Wagner von Lords of the Sounds aufgenommen. Jene ersten sechs Lieder haben wir jetzt im Kasten und die anderen folgen dann im Jänner. Es ist unser erstes Album, insofern ist es eine neue Erfahrung, da wir bislang nur EPs veröffentlicht haben – auch aus finanziellen Gründen. Jetzt haben wir aber erstmals diesen Schritt gewagt, ganz einfach aus dem Grund, dass man erst richtig wahrgenommen wird, wenn man ein Album vorzuweisen hat und sich damit neue Möglichkeiten ergeben für Tourneen, Singleauskopplungen und Radio. Wir wollen einerseits das Radio nutzen, um ein breiteres Publikum zu erreichen, sind auf der anderen Seite aber immer noch eine Rockband. Wir haben uns daher bewusst dazu entschieden, uns Produzenten für einen radiotauglichen Sound ebenso wie einen für den raueren, rockigen Sound ins Boot zu holen. Für uns ist das aber ein sehr spannender Prozess, auf diesem Gebiet mit verschiedenen Leuten und Herangehensweisen zu arbeiten und zu sehen, wie vielschichtig es sich entwickelt.

Was hat sich durch die Zusammenarbeit an eurem Sound verändert?

Es hat sich recht viel verändert, allein schon aufgrund dessen, dass ich mich noch nie zuvor so sehr mit dem Sound von meinem Instrument auseinandergesetzt habe und außerdem hat uns Martin Scheer, der das Mastering übernimmt, bereits im Vorhinein sehr genau seine Vorstellungen vom Sound – besonders vom Schlagzeug – geschildert. Vom gesamten Bandsound her wirkt es jetzt reifer und klarer.

Hast du im Studio selbst noch vieles verändert bei deinen Parts? Wieviel trägst du als Schlagzeuger selbst zu den Songs bei?

Ich habe wie immer vieles Vorbereitet – also Songs geübt, Equipment zusammengestellt und mich für alle Eventualitäten gerüstet. Aber es kam dann so, dass ich zum Großteil auf Altbewährtes zurückgegriffen und vieles dann nicht gebraucht habe. Natürlich habe ich bei manchen Songs die Snare gewechselt, aber ansonsten blieb vieles unbenutzt. Trotzdem beruhigt es mich ungemein, für alles gerüstet zu sein und ich brauche dieses Gefühl auch. Unsere Songs ergeben sich meist aus Jams im Proberaum und werden dann gemeinsam weitergestrickt, da bringe ich mich schon auch mal bei Melodien mit ein. Dieser Prozess ist aber nicht klar beschreibbar, das ist auch das Spannende dran.

Apropos breiteres Publikum erreichen: Seit kurzem ist deine eigene Homepage online. Wie wichtig ist heutzutage auch für einzelne Musiker die Präsenz und der eigene Auftritt im Web?

Ursprünglich habe ich die Seite in Bezug auf das Unterrichten eingerichtet, nachdem ich – in erster Linie wegen Solarjet – von Klagenfurt nach Salzburg gezogen bin. Ich hatte davor bereits während meiner Studienzeit recht viele Schüler in Kärnten und wollte das Unterrichten eben nicht sein lassen. Mir kam dadurch die Idee für die Homepage, sodass die Leute einen Bezug zu meiner Tätigkeit und meiner Person bekommen und ich mich präsentieren kann. Ich merke auch schon, wie viel sich bereits entwickelt und ergeben hat über Homepage und Facebook-Seite. Man kommt in Kontakt mit Leuten, die man auf anderen Wegen kaum erreichen würde. Gerade in Bezug auf Schlagzeug finde ich das sehr interessant. Da ist Mike Johnston ein sehr gutes und inspirierendes Beispiel für mich, der auf diesem Gebiet in gewisser Weise Vorreiter ist, das wahnsinnig gut macht, immer wieder Online-Lessons veröffentlicht und hauptsächlich über das Netz arbeitet. Ich denke, dass man heutzutage so viele Möglichkeiten hat, diese Ansätze zu nutzen und neue zu entwickeln. Zum Beispiel das Projekt „Bandhappy“ von Matt Halpern, dem Drummer von Periphery. Auf seiner Plattform können Leute Unterricht bei Musikern buchen, die gerade auf Tour sind und sich mit ihnen treffen. Oftmals hat man ja Leute, zu denen man aufschaut und sich vor Ort etwas abschauen möchte. Aber das zeigt, wie interessant das Vernetzen über Internet auch in dieser Hinsicht sein kann.

Wen würdest du selbst kontaktieren, um dir etwas abzuschauen?

Ich bin schon sehr in der Rockmusik zuhause, wenn man das so bezeichnen kann. Insofern würde mich derzeit Matt Halpern sehr interessieren, weil er einen irrsinnigen Groove hat und ich es interessant finde, wie er Rudiments phrasiert und in Grooves mit der Band einbaut. Außerdem liebe ich Musik mit vielen Ghost Notes, welche bei ihm auch – vor allem live – toll umgesetzt werden. Also mit ihm würde ich mich sehr gerne einmal zusammensetzen und plaudern. Und ich bin gerade auf einem Benny Greb-Trip. Ich liebe sein drumming. Ich hoffe, bald mal auf einer seiner Clinics zu sein und bin schon sehr gespannt auf seine neue DVD.

Du bietest selbst bald auch Bandcoaching an. Was ist in deinen Augen wichtig für junge Bands und was vermittelst du dabei in erster Linie von deinen eigenen Erfahrungen?

Ich bin gerade dabei, mit einem Freund in Salzburg etwas aufzubauen in Richtung Musikschule, darunter ist eben auch Bandcoaching ein Unterrichtsfach. Generell ist eine Band ja etwas sehr Komplexes. Es ist fast schon ein Wunder, gute Mitmusiker zu finden, mit denen man sowohl harmoniert als auch in den Zielen übereinstimmt und diese verfolgt. Also dass alle Aspekte passen, ist äußerst selten. Ich selbst bin bewusst nach Salzburg gegangen, da alle Solarjet-Mitglieder hier leben. Wir haben auch alle gesagt, dass wir die Band nicht nur als Hobby sehen, sondern mutig sein und uns voll und ganz darauf einlassen wollen. Ein solcher Zusammenhalt kann sehr viel bewegen. Es gibt ja sehr viele Punkte, die man neben dem Musizieren selbst bedenken muss. Etwa auch Booking, Organisation, das Finanzielle. All diese Sachen benötigen ein gutes Miteinander. Das würde ich gerne vermitteln und andererseits auch, wie man sich auf Studioaufnahmen vorbereitet und was man in Live-Situationen beachten muss. Aber das vielleicht Allerwichtigste ist, dass man den Mut findet, Sachen auszuprobieren und die Musik in diesem „Organisationsdschungel“ nicht aus den Augen zu verlieren. Dadurch wird vieles spannend und es entsteht Kreativität – das betrifft viele Bereiche des Lebens. Ich denke, dass es schön, Erfahrungen weitergeben zu können, genauso wie man selbst Ratschläge mitbekommen hat. Oft sind es ja einfach einzelne Sätze oder Aussagen von jemandem, der in diesem Bereich aktiv ist, die einem ein Leben lang im Gedächtnis bleiben, einen prägen und eine große Hilfe sein können.

Wieviel Platz und Zeit bleibt dir neben deinen Hauptbands noch für andere Projekte oder Gigs?

Im Moment gar keine. Wenn wir etwas abgeschlossen haben mit Solarjet, dann planen wir schon für die nächsten Sachen oder sind mit unseren zwei Nebenprojekten unterwegs. Aber ich bin in verschiedensten Aspekten mit Musik beschäftigt, wie zum Beispiel den über Sommer in der Projektleitung im Pankratium, einem interaktiven Museum in Gmünd, das sich mit der Welt der Klänge beschäftigt. Auch bei solchen Sachen lernt man viel dazu als aktiver Musiker. Aber bei mir war das schon eine bewusste Entscheidung, eher ein Banddrummer zu sein. Ich habe erkannt, dass es gut ist, sich auf eines zu konzentrieren und auch der Kreativitätsfluss eher da ist, wenn man sich auf etwas fokussiert und einlässt. Für mich hat auch die Freundschaft innerhalb der Band einen großen Wert. Aber ich finde es schon sehr bewundernswert, wenn jemand ein erfolgreicher Sessiondrummer ist, da gehört schon einiges dazu.

Gibt es eigentlich ein Genre, das dich völlig kalt lässt?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe natürlich schon einen stärkeren Bezug zu Sachen, die mir liegen. Beispielsweise bin ich am Anfang meines Studiums am Konservatorium noch viel mehr in die Klassik eingetaucht, nachdem ich ja bereits in jungen Jahren mit Cello begonnen habe. Auch das hat mir sehr viel gegeben, in der Folge auch am Schlagzeug die Klassik zu erkunden. Ich glaube, dass es heute generell wichtig ist, viele Stile bedienen zu können und sich aus allem etwas heraus zu ziehen, was einem etwas bringen und weiterhelfen kann. Es ist immer wieder spannend, bei Drummern zu hören, wo sie jeweils stilistisch herkommen, egal was sie gerade spielen. Aber ich könnte jetzt nicht generell sagen, dass ich gegenüber irgendeinem Stil eine besondere Abneigung hätte.

Der Jahreswechsel ist gerade vollzogen. Welche Vorsätze und Ziele stehen bei dir für 2015 ganz oben?

Ich glaube, ich würde einfach gerne weiter meine Leidenschaft ausleben können und hie und da ein bisschen mehr Mut könnte auch nicht schaden. Mich reizt es, Barrieren aufzubrechen und zu experimentieren in jeder Hinsicht, das betrifft sowohl das aktive Musikmachen als auch beispielsweise die Musikschule. Natürlich wird die Album-Veröffentlichung ein zentrales Thema sein kommendes Jahr. Ich will klarerweise meinen Traum leben, Musik zu machen und ich finde es immer wieder so schön, dass ich da in einem Bereich tätig bin, in dem ich mein ganzes Leben noch dazulernen kann. Deshalb mache ich wohl auch Musik. Ich mag diesen Gedanken sehr gerne und damit wird einem auch nie langweilig und man entdeckt ständig Neues. Es ist, kurz gesagt, voll und ganz ein spannendes Leben von und für die Musik.

 

 

Interview: Moritz Nowak

 

Foto: © Manuel El-Tohamy

 

 

Weitere Links zu Christian Herbst:

www.christianherbst.com

www.solarjet-music.com

www.eltomusic.com