Florian Koch

Bereits in ganz jungen Jahren war Florian Koch klar, dass es nur die Musik sein soll. Neben seiner Band Amalea ist der 23-jährige Niederösterreicher mittlerweile auch als Produzent vielseitig im Einsatz. Im Interview verrät er, worauf es ihm am meisten ankommt und warum es sich immer auszahlt, in einem Musikgeschäft vorbeizuschauen.

Mit deiner Band Amalea bist du gerade am meisten im Einsatz. Was steht in nächster Zeit an?

Es steht eigentlich recht viel an. Es gibt logischerweise immer was zu tun. Mit Amalea kommt im kommenden Jahr die dritte CD heraus. Das Besondere daran wird sein, dass wir sie gemeinsam mit einem Orchester aufnehmen. Wir haben alles so geschrieben und arrangiert, dass es mit Orchester funktioniert. Dadurch ist das Orchester quasi das sechste Bandmitglied. Das nächste halbe Jahr wird alles eingespielt. Dabei wird alles in Eigenregie in unserem Umfeld gemacht. Ich selbst werde es dann zum Beispiel mischen. Wir wollen es aber nicht auf bombastisch machen, sondern einfach schauen, wo es hinführt. Da sind wir also gerade fleißig am Schreiben.

Wie lange spielt ihr schon zusammen? Habt ihr euch bereits in der Schule gefunden?

Ja, wir waren alle gemeinsam am BORG in Krems im Musikzweig. Damals haben wir noch in anderer Besetzung begonnen. Um ganz genau zu sein: Am 4. November waren es jetzt acht Jahre. Seit einem Monat sind wir am Bass mit Constantin Kaiser neu besetzt, nachdem unser bisheriger Bassist Robin Gadermayer sich vermehrt auf Jazz und Fusion konzentrieren möchte. Es ist mittlerweile eine richtige Familie: Wir treffen uns zweimal pro Woche, Essen gemeinsam und arbeiten an unserem Material. Das treibt uns voran uns hält uns zusammen.

Ist das etwas, was du brauchst als Musiker?

Absolut. Das ist in meinen Augen sogar wichtiger als das Musikalische. Ohne dass es menschlich passt, kann man meiner Meinung nach kein gutes Ergebnis auf die Bühne bringen. Man merkt das einfach bei einer Band. Es ist extrem wichtig, das langsame Wachsen einer Band mitzubekommen. Das liegt mir sehr am Herzen und das ist bei all meinen Projekten so.

Du spielst seit einiger Zeit auch bei Thorsteinn Einarsson…

Genau. Sein Produzent Lukas Hillebrand hat mich einmal im Loop angesprochen, ob ich denn nicht eine Band für ihn zusammenstellen möchte. Dabei war es mir auch extrem wichtig, dass es zwischenmenschlich passt. Außerdem produziere ich jetzt für Moni Rose – gemeinsam mit dem Gitarristen von Amalea, Valentin Bröderbauer. Da ist für 2017 eine CD geplant. Ich bastle einfach gerne Arrangements für andere Leute. Für mich ist das Mischen auch ein entspannender Ausgleich. Wenn ich einmal viel geübt habe und der Kopf voll ist, setze ich mich daheim vor den Laptop, öffne irgendein Projekt und mache etwas damit. Ich bin auch Teil einer kleinen, in Entstehung begriffenen Künstleragentur namens Raise The Artist, wo wir als vernetzendes Team arbeiten. Sich zu vernetzen ist eben sehr wichtig.

Habt ihr mit Amalea musikalisch sofort euren Weg gefunden? Wie hat sich das entwickelt?

Wir finden uns eigentlich ständig neu. Die erste CD ist praktisch ein Zeitdokument, das unser damaliges Repertoire widerspiegelt. Wir haben unsere zehn Lieder aufgenommen – fernab von jeglichem roten Faden oder Konzept. Bei der zweiten Platte habe dann zum Großteil ich die Musik geschrieben und unsere Sängerin dann Texte und Gesang beigesteuert. Da waren wir aber – so ehrlich muss man sein – noch recht unvorbereitet.

Inwiefern?

Es gibt vieles, was man vorher beachten sollte: Anderen Leuten vorspielen, Meinungen einsammeln, aber trotzdem im Endeffekt aufs eigene Gefühl hören. Ganz wichtig ist auch, sich ständig aufzunehmen. Egal, wie die Qualität ist – einfach mit Handy oder was auch immer die Probe aufnehmen und beim nächsten Mal gemeinsam anhören. Davon hat damals halt vieles gefehlt, aber wir sind da natürlich alle fleißiger geworden.

Apropos Vorbereitung: Wie bereitest du dich auf einen neuen Gig vor? Wie arbeitest du dich in die Songs ein?

Ich schreibe mir meistens ein Sheet zu jedem Song und notiere alle Taktzahlen. Als erstes lerne ich dann einfach nur die Form in meinem Kopf. Das ist auch das Allerwichtigste – die Form muss stehen. Dann gehe in den Proberaum und höre mir die Grundstruktur der Beats heraus. Bei Thorsteinn Einarsson sind da zum Beispiel recht viele Samples und Effekte dabei. Das spiele ich alles mit meinem Roland SPD-SX-Pad. Sobald die Grundbeats ausgecheckt waren, habe ich das Pad dazu genommen und das war dann eine ganz andere Welt, denn vieles was man davor mit zwei Händen gespielt hat, muss man jetzt mit einer spielen und die andere muss sich dem Pad widmen. Hinzu kommt, dass man einige Sequenzen ein paar Takte im voraus starten muss. Mann muss mit dem Lied lernen, wann man wo drauf haut. Dazu muss man einfach üben üben üben und ich bin da ein ziemlicher Perfektionist. Ich möchte bei einem Gig in keiner Sekunde darüber nachdenken müssen, was als nächstes kommt.

Du hast 2012 durch Zufall den V-Drum Contest von Roland gewonnen. Wie kam es dazu?

Ich bin damals zufällig ins Drumhouse hineinspaziert, wo gerade Dirk Brand ein Casting gehalten hat. Er hat gemeint, ich solle mich doch kurz dransetzen und spielen. Ich bin ja davor noch nie an einem E-Drumset gesessen, von daher wollte ich nicht wirklich. Er hat es aber geschafft, mich zu überreden. Ich habe dann ein T-Shirt bekommen, bin nachhause gegangen und hab mir gedacht: „Ja schön, jetzt habe ich auch einmal auf einem E-Drumset gespielt.“ Zwei Wochen später ist ein Email gekommen, in dem gestanden ist, dass ich mich gegen 367 andere Bewerber aus Deutschland und Österreich durchgesetzt habe und ob ich nicht Lust hätte, als einer von 16 Gewinnern weltweit zur Weltmeisterschaft nach Los Angeles zu kommen. (lacht) Dort bin ich dann Vierter geworden und habe ein Roland TD 20 geschenkt bekommen. Außerdem bin ich im Zuge dessen eineinhalb Jahre später nach Japan eingeladen worden, um zwei Produktvideos einzuspielen.

Du hast damals, wie du sagst, sechs bis acht Stunden pro Tag geübt. Wie sieht das heute bei dir aus?

Also damals in meiner Schulzeit habe ich extrem viel geübt. Mein Papa hat mir immer die doppelte Jause mitgegeben, weil ich sofort nach der Schule in den Proberaum gegangen und bis zum Abend dort geblieben bin. Ich habe aber recht wenig gezielt geübt, sondern vielmehr zur Musik gespielt – damals vor allem zu Toto, die für mich als Kind schon ein großer Einfluss waren. Ich hatte aber nie einen Anhaltspunkt, wo ich gerade stehe – bis ich mit 15 dann beim Best Young Drummer of Austria Contest mitgemacht habe, wo ich Zweiter geworden bin. Mit 20 habe ich ihn dann gewonnen. Aber um aufs Üben zurückzukommen: Heute übe ich regelmäßig Technik und vor allem die Basics – also einfache Grooves bis zur Perfektion, denn darauf kommt es halt wirklich an. Es hat sich aufs Wesentliche reduziert. Ich übe aber oft auch klassische Trommeletüden oder Xylophon. Nicht weil ich es muss, sondern weil es den Horizont erweitert. Vor allem wenn man sich gleich danach ans Schlagzeug setzt und dadurch ganz anders spielt. So etwas ist sehr wichtig.

Du studierst gerade am iPop der MdW in Wien. Wie hat dein bisheriger Ausbildungsweg ausgesehen?

Ich war zuerst bei der niederösterreichischen Militärmusik und dann am Konservatorium bei Walter Grassmann. Das war eine super Zeit, aber ich bin nicht der geborene Jazzschlagzeuger, also bin ich dann auf die Musikuni gewechselt. Dort war ich am Anfang bei Alex Deutsch, durch den ich auch vermehrt zum Produzieren gekommen bin und jetzt bin ich bei Mario Lackner. Das Studieren tut schon gut, man lernt Leute kennen und kann sich voll und ganz der Sache widmen. Aber man muss aufpassen, dass man nicht irgendwann zu verkopft an die Sache rangeht. Man bekommt einen anderen Zugang zur Musik, wenn man studiert. Man kann quasi nichts mehr spielen, ohne zu wissen, was man spielt. Außerdem ist man permanent so übersättigt mit verschiedensten tollen Sachen, die man gelernt hat. Die haben dann eben bei einigen Pop-Produktionen keinen Platz. Ich habe früher oft die Leute belächelt, die gemeint haben, weniger ist mehr. Jetzt merke ich, wie sich das bei mir auch langsam einstellt. Natürlich ist es wichtig, alles aufzuschnappen und sofort nachspielen zu wollen, aber es ist genauso wichtig zu wissen, wo man am besten aufgehoben ist. Ich habe eigentlich schon als Kind gewusst, dass ich Pop- und Rockmusik machen will.

Denkst du eigentlich auch an ein eigenes Projekt – quasi unter deinem Namen?

Darüber habe ich eigentlich noch nie nachgedacht. Die „Selbstverwirklichung“ habe ich im Grunde mit den Drum-Contests abgehakt. Das war schon sehr schön, sind tolle Erinnerungen, aber nicht das worauf ich am meisten stolz bin. Seitdem bin ich es eher gewohnt, mit Leuten zusammenzuarbeiten, in Bands zu spielen oder zu produzieren. Ich fühle mich auch extrem unwohl, wenn ich das Mikro in der Hand habe oder vorne stehe. Das bin nicht ich. Ich bin eher der Typ in der zweiten Reihe; der sich aber bei jedem Gig vorstellt, dass es der Gig seines Lebens ist. In der Arena habe ich mit Thorstein Einarsson als Support für Julian le Play gespielt. Das war für mich halt damals eine unglaubliche Erfahrung. Wenn man davor gewohnt ist, vor wenigen Leuten zu spielen, dann schätzt man das schon sehr. Es ist aber extrem schön, wenn man sich den Zugang bewahren kann, sich über 15 Besucher genauso zu freuen wie über 3000. In diesem Moment habe ich es schön gefunden, die Jahre davor vor wenigen Leuten gespielt zu haben, denn sonst wäre dieser Moment nicht so toll gewesen. Es ist ja in der heutigen Zeit tendenziell schwer, Leute wo hin zu bewegen. Mir fällt aber auf, dass Leute sehr wohl zu Konzerten gehen, wenn sie wirklich auf die Musik stehen. Dann gehen sie auch wirklich hin, statt sich alles über Streaming reinzuziehen. Ich bin sehr gespannt, wie sich das alles entwickeln wird – so in zehn Jahren oder mehr…

Wie glaubst du wird es in zehn Jahren sein?

Naja, ich habe da eigentlich zwei Zugänge. Die eine Hälfte in mir sagt, dass Musik immer angesagt sein wird – war sie ja schon immer. Die Leute sind auch immer schon auf Konzerte gegangen. Oft gerade in Krisenzeiten. Die andere Seite in mir denkt aber, dass sich alles immer mehr auf Streams verlagern könnte – sogar Konzerte. So traurig es klingt…

Wann war dir eigentlich klar, dass du nur Musik machen willst?

Mit drei Jahren wollte ich Pilot werden, mit fünf Computerdesigner und mit Eintritt in die Volksschule war der Wunsch zum Musiker da. Seither habe ich es gewusst und es war dann mein ganzes weiteres Leben lang klar. Ich stamme auch aus einer sehr musikalischen Familie. Mein Vater hat mich als Sechsjährigen bereits auf ein Toto-Konzert mitgenommen. Meine Eltern haben mich in allem unterstützt, sich aber gleichzeitig extrem rausgehalten. Ich wurde also nie zu irgendetwas gezwungen. Das ist sehr wichtig, sonst hätte ich mich nie so entwickelt.

Um auf die vorherige Frage zurückzukommen – wo siehst du dich selbst in zehn Jahren?

Hmm, gute Frage. Um ehrlich zu sein, sehe ich mich in einem großen Stadion. So naiv das auch klingen mag. Oft wird man halt schief angeschaut, wenn man das sagt. Es geht bei so etwas immer die Unterstellung mit einher, dass man das nur für sich selbst macht. Klar ist die Selbstbestätigung groß, aber wenn man sich vorstellt, dass man tausende Leute mit seiner Musik glücklich macht, steht das in keiner Relation dazu. Das ist dann wirklich das Größte.

 

Interview: Moritz Nowak

 

Weitere Links zu Florian Koch:

www.amalea.at

www.facebook.com/amaleamusic