Lukas König

 

Ein erstrebenswertes Ziel beim Schlagzeugspielen ist, die Gliedmaßen möglichst unabhängig voneinander bewegen zu können. Das haben bereits viele Damen und Herren der Szene perfektioniert. Dann gibt es Drummer wie Lukas König, die sich kurzerhand ein paar Synthies und ein Mic schnappen und die Messlatte für Multitasking zwei Sprossen höher legen. Wie sich das anhört? Fett! Was dahinter steckt erzählt Lukas im Interview mit Backbeat.at.

Wie hat deine Musikalische Laufbahn begonnen?

Meine Familie ist musikalisch sehr umtriebig. Mein Vater hat mich zu Konzerten und Auftritten seiner Band mitgenommen. Mein Großvater hat mir mit vier Jahren Schlagzeugunterricht gegeben. Jeden Tag nach der Schule eine Stunde „Kleine-Trommel“-Unterricht bei ihm. Das war eine gute Schule. Mit 13 Jahren habe ich begonnen sehr intensiv zu üben.

Warum hast du begonnen, Schlagzeug zu spielen?

Jeder in meiner Familie hat mit dem Schlagzeug begonnen Musik zu machen. Als ich sechs war habe ich viel Jahre lang in der Musikkappelle meines Heimatortes Prinzersdorf alle Dienste von Begräbnissen, Hochzeiten, Bällen und diversen andere Veranstaltungen neben meinem Großvater (an der großen Trommel) abgespielt. Mit 12 begann ich Unterricht in der örtlichen Musikschule zu nehmen, danach war ich auf etlichen Jazzseminaren und Workshops um dann mit 15 Jazzschlagzeug am Wiener Gustav Mahler Konservatorium zu studieren.

Wer waren/sind deine Vorbilder?

Steve Gadd, James Gaddson, Kenny Wollesen, Mike Clark, Paco Sery, Questlove, J-Dilla, Tony Williams, Billy Martin, Chris Dave, Ringo Starr, Malcolm Braff, Michael Jackson, Muhammed Ali, KRS One, Bustah Rhymes, Missy Elliott, James Blake, Bon Iver, Beatles

Dein neues Album „BEST OF 28“ erschien am 1. März, die Release-Party im Porgy & Bess war am 7. – ein Tag vor MC Rhines Geburtstag. War das Absicht?

Es hat sich so ergeben, da ich gerade mehr Zeit in NY verbringe, und wir im Frühjahr den März auserkoren haben, um eine Tour zu machen und mein Album zu releasen. Das ist in eher ein Zufall aber ich liebe MC Rhine.

Kannst du uns etwas über das Album bzw. dessen Entstehung erzählen?

Ich wollte in den letzten beiden Jahren eine Veröffentlichung machen, die auf Albumlänge kommt aber nicht unbedingt Mainstream-Musik beinhaltet, um aber doch Elemente von großen Produktionen zu entlehnen oder sich anzunähern. Also durchaus um sperrige Musik mit einer Glanzpolitur zu versehen. Und Clubmusik ausgehend von Odd-Meter-Grooves mit Experimenten zu vermischen. Ich produziere seit geraumer Zeit Beats und habe seit 2 Jahren mittlerweile ein kleines Projektstudio mit Musikern und Produzenten in Wien. Das letzte Jahr habe ich entweder im Studio in Wien, oder in NY verbracht, um dort Musik aufzunehmen oder viel darüber nachzudenken. Dann habe ich immer wieder versucht an den einzelnen Tracks weiterzumachen und daraus sind wieder neue Sachen entstanden. Deshalb hatte ich letzten Endes über 28 Skizzen. Davon habe ich die 9 besten ausgesucht, um an denen weiterzuarbeiten. Ich habe meine Stimme aufgenommen, Texte für Rhymes geschrieben und alles gemischt und zusammengekürzt. Deswegen auch der Name „Best of 28“.

Koenig, König Leopold, Sixtus Preiss und Kompost3 um nur ein einige zu nennen. Die Liste deiner Projekte ist fast so lange wie die deiner Aliase. Siehst du Koenig als dein Hauptprojekt?

Jein. Es ist natürlich ein großes Projekt, da es mein Solo-Ding ist und ich mich alleine um die musikalische Entwicklung kümmer(n muss), aber ich versuche gleichermaßen für andere Leute da zu sein. In diesem Fall ist es eben speziell sich ein Konzept zu überlegen, wie man es schafft, die Tracks der neuen Platte alleine und ohne Computer zu performen. Quasi alles live zu spielen und 4 Gliedmaßen auszunützen um Schlagzeug, Synthesizer, Bass und Rap-Stimmen gleichzeitig zu bedienen. Das ist eine Wahnsinns-Unabhängigkeitsübung und eine arge Erfahrung. Vor allem wenn es heißt, alleine auf einer Bühne zu stehen und eine Stunde zu spielen und zu versuchen die Leute im Publikum zu erfassen, zu unterhalten oder zu verstören.

Zu deinen zahlreichen Projekten. Betrachtest du dich musikalisch als Workaholic?

Nein. Ich mache so viel wie möglich und ich muss natürlich von irgendetwas meine Miete zahlen. Deswegen decke ich mich so ein, dass alle Bands ihren Platz in meinem Zeitplan haben. Es ergeben sich aber natürlich Momente, in denen es stressig ist und man mit Tunnelblick von einem Jazzfestival Saalfelden zum NUKE Graz huscht, um diverseste Genresprünge zu vollziehen. Das finde ich spannend. Ich war schon immer so, dass ich mir vieles offen gehalten habe, um auf allen Kirtagen zu tanzen. Das bringt natürlich auch Probleme mit sich.

Spielst du lieber Jazz oder Hip-Hop?

Das sind zwei große Worte. Im Moment mache ich selber mehr „Hiphop“-orientierte Musik aber ich hole mir immer die Inspiration von experimentellen Sounds. Das Jazz Spektrum ist ziemlich breit. aber für mich bedeutet es viel mehr die Bereitschaft zu improvisieren. Improvisieren innerhalb einer Nummer als auch generell bei Auftrittssituationen oder im Leben. Somit bleibt es für mich immer spannend. Immer das gleiche zu machen und das zu perfektionieren erscheint mir nicht immer erstrebenswert. Also ich mag beides gern.

In den bis dato veröffentlichten Tracks verbindest du Beats, die an J-Dilla erinnern mit Noise und teilweise auch Dance-Music. Siehst du bei den vielen Einflüssen Parallelen und setzt diese bewusst ein oder sind die Tracks das Ergebnis von Experimenten?

Es ist für mich wie ein Sammelsurium von Momentaufnahmen von Gelüsten bestimmter Musikstile oder Experimente. Die Vorgabe ist irgendwie immer zu versuchen, relativ einzigartig zu sein und neue Formen von Musik oder Sound zu finden, die es so noch nicht gibt. Natürlich höre ich auch viel Musik (bzw. versuche ich am Ball zu bleiben) und die beeinflusst mich wiederum. Ich bin oft verblüfft von der Einfachheit und gleichzeitig der Komplexität mancher Tracks. Ich versuche offen zu bleiben, aber manchmal muss ich mich dann verschließen und improvisieren, um von mir selbst Ideen rauszukitzeln, die neu frisch und roh sind. Sowas kommt bei mir nur beim Improvisieren raus.

Du hast ein breites Spektrum an musikalischen Skills. Hast du dir das alles autodidaktisch beigebracht?

Nein. Außer den Musikproduktionstätigkeiten am Computer mit diversen Softwares und der Synthesizerliebhaberei, bin ich gut geschult. Also eben zuerst familiären Privatunterricht dann Musikschule, Musikgymnasium Wien Neustiftgasse (Pauke, klassisches Schlagwerk) und Studium von Jazzschlagzeug an diversen Universitäten und Konservatorien (Gustav Mahler Konservatorium, Anton Bruckner Universität Linz, Swiss Jazz School Bern). Und dann waren es meine Interessen, die mich dazu gebracht haben, nach Indien oder Nordafrika zu reisen, mich dabei neuen Musikstilen zu nähern und sie „auszuchecken“. Ich mag die unterschiedlichsten Genres. Von neuer klassischen Musik über Elektro zu Noise zu Hiphop und Rock’n’Roll, Soul, Funk, Jazz. Und dann wieder neue Mischungen. Soviel wie geht!

Steckbrief:

  • Stilbeschreibung: Experimental-Hiphop-Improv
  • Lieblingsbecken: Alte Zildjian Istanbul K’s
  • Lieblingsgroove: „Mother Popcorn“ von James Brown, Drums: Clyde Stubblefield
  • Lieblingsfill: „Come together“ Beatles, RINGO

Interview: Stefan Dammerer
Foto: Paul Gärtner