Matthias Ledwinka

Erzähl mal, wie war es gestern am Waves Vienna zu spielen?

Es war eigentlich cool, aber ich bin immer ein bisschen überfordert bei solchen Events. Das Komische ist, ich könnte mir so viele Bands anschauen aber wenn ich selber spiele, dann habe ich keinen Kopf dafür mich ins Publikum zu stellen und das zu genießen. Da konzentriere ich mich aufs Spielen und dann bin ich müde. Es ist dann immer ein bisschen komisch, wenn wir mit Bands spielen mit denen wir auch befreundet sind. Eigentlich würde ich mir ihren Auftritt wirklich gerne anschauen und danach mit ihnen darüber plaudern aber ich kann nicht. Konzert schauen und spielen ist mir einfach zu viel.

Wie ist Lausch eigentlich entstanden?

Alex und ich sind gemeinsam in Waidhofen an der Thaya in die Schule gegangen und so ist auch die musikalische Zusammenarbeit entstanden. Wir waren Schulkollegen und haben schon in der 7. und 8. Klasse gemeinsam musiziert und jeder hat sein erstes eigenes Soloalbum aufgenommen. Ich habe bei ihm Schlagzeug gespielt und er hat bei mir Gitarre mitgespielt. Lausch ist aber erst 2005 entstanden. Alex wollte seine Musik dann auch irgendwann Live spielen und so war es naheliegend, dass er mich als Schlagzeuger fragt. Arnold, unser Bassist, ist mein Schwager und mit ihm habe ich auch schon vorher in der Band Lo-KATE musiziert.

Ihr habt ja schon vier Alben gemeinsam veröffentlicht. Wie funktioniert bei euch das Songwriting?

Eigentlich passiert das meistens im Proberaum beim gemeinsam Musizieren und Ausprobieren. In der Regel hat der Alex schon irgendeine Idee auf der Gitarre, irgendein Riff von dem er meint, dass das spannend ist. Songs entstehen dann ganz harmonisch beim Jammen, wobei wir nicht zwanzig Minuten lang auf einer Idee herumreiten sondern sehr songorientiert arbeiten. Wir überlegen sofort, wie man daraus einen Song machen kann. Das hat sich erst in den letzten Jahren so entwickelt. Wir haben früher manche Teile dreißig mal wiederholt und uns gefreut, dass wir das 30-mal spielen können. Damals waren die Songs auch länger. Jetzt sind die Songs konzentrierter und fokussierter.

Das merkt man. Es sind sehr viele Ideen auf engen Raum gepackt.

Ja stimmt. Wir versuchen, die Songs nicht zu lang werden zu lassen. Es ist unser Anspruch an uns selbst, eine so große Ideenvielfalt einfließen zu lassen. Wir wollen viele Sachen verpacken, die uns gefallen. Aber nicht so wie bei einigen Progressive Rock Bands wo man das Gefühl hat, es geht nur darum, den anderen die coolsten Ideen vorzuspielen und damit zu zeigen, wie gut man ist. Das ist nicht unser Gedanke. Wir machen einfach das, was uns gefällt.

Gibt es bei eurer großen Ideenvielfalt trotzdem bestimmte Lieblingsgrooves und -fills auf die du gerne zurückgreifst?

Meine Fills sind meisten nicht sehr aufregend, weil ich technisch nicht sehr gut bin. Das heißt ich spiele in jeder Hinsicht sehr pragmatisch. Ein Groove muss für mich, wie der Name schon sagt, einfach grooven. Das heißt, da muss Luft zum Atmen sein. Das geht am besten, wenn man, wie bei Lausch, in einem eher langsamen Tempo spielt, sodass Pausen entstehen. Außerdem stehe ich auf ungerade Takte. Karnivool ist eine Band, die das sehr gut macht. Bei ihnen ist alles ungerade aber man merkt es nicht. Sie verpacken es so gut, dass man trotzdem dazu tanzen kann. Musiker haben häufig Angst, wenn sie einen ungeraden Takt spielen, können die Leute nicht dazu tanzen. Das ist Blödsinn. Natürlich gibt es ungerade Rhythmen, die sehr kompliziert sind und zu denen man sich nicht bewegen kann. Meiner Meinung nach ist es eine hohe Kunst ungerade Rhythmen zu spielen, die sehr rund wirken und bei denen Zuhörer gar mitbekommen, dass der Takt ungerade ist. Bei Lausch spielen wir oft ungerade Rhythmen über gerade oder umgekehrt. Das Schlagzeug spielt zum Beispiel einen ungeraden Beat, die Gitarre aber einen geraden und dann kommt man nur an bestimmten Punkten wieder zusammen. Das ist einer unserer Lieblings-Schmähs, den wir immer schon gemacht haben.

Dadurch wird eure Musik auch etwas ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig.

Ja das stimmt. Wir sind immer wieder damit konfrontiert, dass Leute sagen, sie hätten sich beim ersten Anhören nicht zurechtgefunden aber beim fünften Mal hat es ihnen gefallen. Zuhörer müssen sich Zeit nehmen und mit unserer Musik beschäftigen, aber das wissen und wollen wir eigentlich auch. Das bedeutet ja auch man kann etwas entdecken. Bei einem Song, der mir vom ersten Moment an gefällt, werde ich später wahrscheinlich nichts mehr entdecken. Das bedeutet er wird relativ einfach gestrickt sein wodurch man schon weiß, welcher Teil als nächstes kommt. Es ist ja nicht so, dass unsere Songs so viel komplizierter wären, aber es ist nicht nur Teil A und Teil B, sondern es gibt dann auch einen Teil C und Teil D.

Wenn ihr so hohe Ansprüche habt, hat dann das Schreiben und Aufnehmen des neuen Albums lange gedauert?

Nein, wir sind dabei sehr praktisch orientiert. Wir werden manchmal gefragt, wie oft wir proben. Die meisten Bands sagen dann, sie proben ein-, zweimal in der Woche. Bei uns ist es viel, wenn wir uns einmal im Monat sehen. Wir arbeiten immer sehr fokussiert. Das hat auch damit zu tun, dass wir geographisch getrennt sind und alle Beruf und Familie haben. Wenn wir proben, dann nehmen wir uns einen ganzen Tag Zeit. Beim Songwriting für das Album haben wir dadurch an manchen Tagen zwei, drei Songs geschrieben oder zumindest die Idee erarbeitet.

Wie entsteht der Schlagzeug Sound, der auf eurem Album zu hören ist und wie hat er sich über die Jahre verändert?

Meinen derzeitigen Sound würde ich als wuchtig und stark bedämpft beschreiben. Toms und Snare habe ich sehr tief gestimmt. Mittlerweile verwende ich nur noch Coated Felle. Außerdem klebe ich in die Kessel auf das Resonanzfell ganz dünne Mikrofasertücher. Das verkürzt das Sustain massiv, klingt knackig und ist für die Ton-Techniker einfacher zu handhaben. Meine Snaredrum habe ich mit drei Stück Moongel gedämpft. Dank Bubinga-Holz-Kessel hat sie einen warmen aber nach oben hin offenen Sound und daher, trotz dieses eher extremen Setups, einen guten Klang. Wir nennen das dann den „Watschensound“. Früher dachte ich, es sei ein Tabu die Snare und die Toms mit allem möglichen Zeug zu bekleben, heute gilt für mich: was gut klingt, ist auch erlaubt. Bei den Becken sehe ich das jedoch etwas anders. Wenn dann Techniker zu mir kommen und meine Becken mit Tape abkleben wollen, weil sie zu laut sind, kann es für sie gefährlich werden.(lacht) Als Schlagzeuger wurde ich früher öfter gefragt, ob ich denn nicht leiser spielen könne. Das löst bei mir nur Kopfschütteln aus. Ich wundere mich immer darüber, dass jemand eine Rockband bucht aber ein leises Konzert erwartet.

Habt ihr eigentlich alle einen Job neben dem Musikmachen oder seid ihr Berufsmusiker?

Kommt darauf an, wie man Berufsmusiker definiert. Niemand von uns lebt nur von der Musik aber es ist ein Teil von unserem Einkommen. Ich habe nie nur von einer Sache gelebt aber ich möchte das auch gar nicht. Ich mag es gerne abwechslungsreich. An einem Tag bin ich Grafiker, am nächsten Tag fotografiere ich und am Tag darauf spiele ich ein Konzert. Ich möchte nicht fünf Tage im Studio verbringen und auch nicht fünf Tage im Büro sitzen. Außerdem habe ich durch diese Vielfalt den Vorteil, dass ich abgesichert bin. Gerade wenn man selbstständig ist, weiß man nie, wie es im nächsten Monat weitergeht. Es kann sein, dass in einem Monat als Grafiker weniger zu tun ist, dann mach ich Musik. In Summe ergibt das dann ein Einkommen, von dem man irgendwie leben kann.

Ich habe aber auch nie angestrebt von der Musik zu leben und ich würde es auch nie anstreben, weil es eine Abhängigkeit erzeugt. Wenn man davon leben möchte, dann muss man abliefern. Dann geht es darum, wieviel wir verkaufen und wieviele Konzerte wir spielen. Dadurch entsteht ein finanzieller Druck und ich möchte eigentlich nicht, dass das in die Kreativität hineinspielt und das tut es dann aber. Wenn man auf das Konto schaut und sieht, dass man kein Geld mehr hat, denkt man, man muss Konzerte spielen und ein neues Album rausbringen. Meiner Meinung nach ist das der falsche Antrieb Musik zu machen. An den Punkt kommt man jedoch gezwungener Maßen und das möchte ich vermeiden. Das nimmt mir den Spaß.

Das heißt du hast wahrscheinlich auch nie überlegt Schlagzeug zu studieren?

Nein, sowieso nie (lacht). Ich bin unglaublich faul, was Üben betrifft und deshalb bin ich auch meiner Einschätzung nach kein guter Schlagzeuger geworden. Ich weiß, was ich spielen kann und ich spiele auch nur das, was ich spielen kann. Dadurch kann ich, übertrieben gesagt, dem Publikum vorgaukeln, dass ich Schlagzeug spielen kann, aber ich kann es mir selbst nicht vorgaukeln und ich kann es auch studierten Schlagzeugern nicht vorgaukeln. Und studieren, Nein, da hätte ich schon als Jugendlicher mehr Ehrgeiz an den Tag legen müssen. Außerdem hätte das auch bedeutet, dass ich von der Musik leben müsste und das wollte ich schon damals nicht.

Warst du jemals in der Musikschule?

Ja, also ich bin mit 12 oder 13 in der Musikschule von Klavier auf Schlagzeug umgestiegen. Ich muss sagen, mein Lehrer, Bernd Rommel, hatte sehr viel Geduld mit mir. Rückblickend war das wirklich sehr nett von ihm, weil ich habe wirklich nichts geübt und nie das gemacht, was er gesagt hat. Durch das Spielen zu meinen Lieblingsbands habe ich eigentlich Schlagzeug gelernt. Ich bin auch in die Musikstunde gekommen und habe gesagt ich möchte diesen oder jenen Song spielen können. Er hat sich das dann angehört und mir gezeigt, wie das geht. Er hat bei mir auch relativ bald gemerkt, dass es keinen Sinn hat mir irgendwelche technischen Grundlagen beizubringen, weil ich ein Faulsack bin und das nicht mache. Also ich war ein wirklich schlechter, schlimmer Schüler.

 

Musik und mehr Informationen findet ihr unter folgenden Links:

www.lauschmusic.com
www.sergeantpluckhimself.com
www.freischwimma.com

 

Interview: Mira Achter
Foto: Matthias Ledwinka