Max Gollnhuber

 

Wie läuft ein Studium am Konservatorium eigentlich ab? Was muss ich beachten, wenn ich Drumvideos für YouTube filmen will? Die Antworten auf diese Fragen hat Max Gollnhuber, Schlagzeuger von Lian Albert und Student am Konservatorium in Wien.

Max Gollnhuber FotoIhr habt letztes Jahr die Single „Lonely Road“ veröffentlicht, was steht als Nächstes im Hause Lian Albert an?

Momentan sind wir mitten im Probeprozess und schreiben fleißig an unseren Liedern. Der Writing-Prozess sieht so aus, dass unser Sänger Julian meistens mit Ideen und Texten in den Proberaum kommt und wir vervollständigen diese. Dabei kann jeder individuell seine Ideen dazugeben und seine Lines auschecken, am Ende des Tages finden wir eigentlich immer zusammen.Wir sind noch dabei unseren Sound zu finden, was bei der ersten EP noch nicht ganz gelungen ist. Bei unserer neuen EP hat sich aber die Richtung schon mehr herauskristallisiert.

Du hast dir in deinem Heimatort, Großraming in Oberösterreich, ein Studio eingerichtet. Nehmt ihr dort eure Songs auf?

Als wir Lian Albert gründeten, habe ich begonnen, mich intensiver mit dem Recording-Prozess zu beschäftigen. Im Zuge dessen entstand das Studio bei mir zu Hause. Ich finde es besser, etwas selbst zu lernen und Zeit in eine Sache zu investieren, als viel Geld in jemanden zu stecken, der die Arbeit für mich macht. Damals hatte ich die Zeit, so etwas aufzubauen. Dort nehme ich im Grunde alles auf. Das Spektrum reicht von Demos über unsere kommende EP bis hin zu YouTube-Videos. Als richtiges Studio würde ich es jedoch nicht bezeichnen. Für eine vollwertige CD-Produktion eignet sich das Studio weniger, aber gute Demos kann man darin auf jeden Fall aufnehmen. Momentan habe ich ein EDM-Projekt mit einem Freund aus Oberösterreich. Außerdem bin ich bei einer Rolling Stones-Coverband, den Hailstones. Natürlich investiere ich auch viel Arbeit in mein Studium.

Du bist jetzt im achten Semester am Vienna Konservatorium für Jazz-Schlagzeug. Wie schaut bei so einem Studium die Abschlussphase aus?

Am Prüfungsplan steht das Vorbereiten von 25 – 30 Nummern mit Band, bei einer Setliste von zehn Songs und einer Repertoirliste von 20 Stücken, die von einer Jury gewählt werden können. Die Songs sind Jazz-Standards. Die Grundessenz ist, dass man am Ende des Studiums mit anderen Leuten zusammen spielen kann. Der Fokus liegt darauf, dass das Gremium merkt, dass man eine Band leiten und koordinieren kann. Bei mir besteht die Band aus Bass, Gitarre, Piano und Schlagzeug. Das alles zu koordinieren ist gar nicht so einfach.

Musst du im Studium auch andere Instrumente außer das Schlagzeug beherrschen?

Am Anfang habe ich mich nur aufs Schlagzeug konzentriert. Durch Lehrveranstaltungen wie Harmonielehre und Gehörbildung habe ich mich entschieden, Piano zu lernen. Das ist nicht Pflicht, aber es hilft sehr!

Im Stundenplan gibt es die Lehrveranstaltung Improvisation, wie kann man sich das vorstellen?

Diese Lehrveranstaltung hat einen sehr theoretischen Zugang zu diesem Thema. Für mich als Schlagzeuger war das eher weniger interessant, da sich der Dozent mehr auf Piano und andere Harmonieinstrumente konzentriert hat. Es ist meiner Meinung nach schwierig, eine Lehrveranstaltung über das Improvisieren abzuhalten, da man es an sich nicht lernen kann. Das ist etwas, das einfach passiert. Man übt zwar im Proberaum seine Licks, um sein Repertoire aufzustocken, aber gerade beim Jazz muss man jede Nuance wahrnehmen. Deshalb ist es wichtig, als Schlagzeuger das Ganze zu sehen, dann kann einem beim Improvisieren nicht viel passieren.

Wie schaut der Alltag am Konservatorium aus?

Man kann es sich als praktischen Schlagzeugunterricht mit zusätzlichem Theorieschwerpunkt vorstellen. Ganz wichtig ist es, sich in der Freizeit auf das Studium vorzubereiten. Ich habe mich zu Hause intensiv mit den Rudiments und den verschiedenen Übungen befasst. Man sollte die Zeit am Konservatorium nutzen, sich so viele Infos wie möglich zu holen, diese durchzuarbeiten und zu internalisieren. Wenn man glaubt, in der Woche einmal für eine Stunde Schlagzeug zu lernen, wird das vermutlich nicht gut enden. Spielt man gerne Schlagzeug und ist bereit, einiges an Zeit darin zu investieren, dann ist es auf jeden Fall machbar. Ich habe am liebsten Single- und Doublestrokes geübt. Daraus ergibt sich eigentlich jedes andere Rudiment. Gerade wenn man in den Basics sattelfest ist, hören sich die schwierigeren Grooves besser an.

Wie war damals für dich der Aufnahmeprozess am Konservatorium?

Wenn ich mich recht erinnere, war der theoretische Teil Gehörbildung und Harmonielehre. Das war nicht so schwierig. Praktisch waren je ein bis zwei frei wählbare Jazz-und Funknummern mit Playalong zu spielen. Mittlerweile wurde das Prozedere wahrscheinlich schon geändert.

Anm. d. Redaktion:

Ablauf und Inhalte der Aufnahmeprüfung:

•    Mindestens zwei bis drei Stücke die dem aktuellen Niveau/Können entsprechen vortragen.
•    Auf  Basis einer positiven Aufnahmeprüfung erfolgt eine Einstufung in den entsprechenden Jahrgang des Studienplans

Quelle: http://www.viennaconservatory.at/index.php?content=33 am 13.05.2016, 15:47

 

Gibt es von der Uni aus Projekte, an denen die Studierenden teilnehmen?

Es gibt verschiedene Jazz-Ensembles, Joris Dudli leitet momentan unter anderem das Jazzorchester. Meistens ist man als Student aber auch viel auf Sessions unterwegs. Diese finden zum Beispiel im Tunnel oder im ZWE statt.

Auf was legst du Wert, wenn du selbst unterrichtest?

Mir ist es wichtig, auf jeden Schüler und jede Schülerin individuell einzugehen. Es bringt nichts, mit allen zehn Kindern denselben Groove durchzuarbeiten. An eine fixe Lektüre halte ich mich dabei nicht. Ich versuche, mir Anregungen zu holen und das dann effizient zu verpacken. Ich möchte mich auch nicht zu lange mit irgendwelchen schwierigen Inhalten herumschlagen. Wenn jemand Probleme mit etwas hat, bemühe ich mich einen anderen Zugang zu finden oder springe zu einem anderen Thema.

Neben dem Unterricht und deinen Bands hast du begonnen, Drum-Videos von dir auf YouTube zu stellen. Wie schaut das Konzept dahinter aus?

Bei der Auswahl der Songs halte ich mich mehr an die iTunes-Charts. Ich finde die Synthese von Funk-Grooves und der heutigen Mainstream-Musik sehr interessant, außerdem kommt es einfach besser an als die Musik die ich sonst höre. Ich nehme die Videos in meinem Studio aus drei verschiedenen Perspektiven auf, das wirkt professionell und ist abwechslungsreicher. Die Grooves notiere ich mir dabei nicht, außer jemand fragt mich danach.

Was spielt du für ein Setup?

Ich halte das Set eher simpel. Ich habe nur zwei Toms und zwei Snares. Viel Wert lege ich auf meine Becken, da man damit viele verschiedene Klangfarben erzeugen kann.

 

Interview: Stefan Dammerer

 

http://www.maxgollnhuberdrum.com/