Reinhard Eder

Reinhard Eder spielt seit mittlerweile 42 Jahren Schlagzeug und ist Schlagzeuglehrer mit Leib und Seele. Ihn zeichnen dabei zwei Dinge besonders aus: zum einen der Groove im Blut und zum anderen das Understatement. Im Interview mit beatboxx.at erzählt er über seine Anfänge, wie er das Drumset am Konservatorium etabliert hat und wie man den Unterricht individuell und effizient gestalten kann.

Hi Reinhard, du bist jetzt schon ziemlich lange im Geschäft, wie bist du eigentlich zum Schlagzeugspielen gekommen?

Mich hat das Schlagwerk schon immer interessiert. Als 16-jähriger bin ich beim Marsch immer hinter den Trommlern nachgelaufen und hab mir das angeschaut. Das hat mich irrsinnig fasziniert. Eines Tages ist dann der Kapellmeister vor meiner Tür gestanden und hat gefragt, ob ich an Unterricht interessiert wäre. Ich würde sogar ein Leihinstrument bekommen. Natürlich hab ich das Angebot angenommen und ein halbes Jahr später bin ich zur Kapelle gegangen. Das war damals die einzige Möglichkeit am Land, mit anderen Leuten zu musizieren. Nach zwei Jahren bei der Blasmusik konnte ich bei der Militärmusik anfangen, wodurch ich während dieser Zeit an der Landesmusikschule in Traun unterrichtet habe. Das Unterrichten von jungen Leuten hat mir vor allem als Jugendlicher viel Spaß gemacht. Nach meiner Dienstzeit hat mich der Direktor gefragt, ob ich an einer fixen Stelle interessiert wäre. Die Voraussetzung dafür war aber ein Studium am Konservatorium. Da hab ich dann im Zuge der Militärmusik einen Freiplatz bekommen. Nach dem Abschluss habe ich schließlich in Traun, Kremsmünster und Neuhofen unterrichtet. Aus persönlichen Gründen habe ich gekündigt und mich auf ein Schlagzeug-Ensemble in Garsten konzentriert. Durch dieses Projekt habe ich begonnen dort zu unterrichten und das mache ich nun schon seit 35 Jahren.

Du warst in dieser langen Zeit ja nicht nur in Garsten Lehrer, sondern hast auch das ein oder andere Projekt gestartet.

Genau, damals war es außerhalb der Ballungszentren nicht so einfach, sich im Schlagzeugspielen weiterzubilden. Ich wollte mich rein technisch aber steigern und so habe ich nach einiger Recherche Charly Antolini – Drummer von Max Greger – kennengelernt und in der Schweiz das Basler Trommeln – zum Beispiel Top Secret Drum Corps – gelernt. Am Anfang hatte ich noch meine Schwierigkeiten mit der Notenschrift der Basler, aber ich hab dann von Charly die Nummer seines Lehrers bekommen und zwei Jahre bei ihm gelernt. Das hat mich technisch natürlich wahnsinnig gepusht. Was ich auch zu meinem Ziel gemacht habe, war das kombinierte Schlagzeug bei uns salonfähig zu machen. Jazz-Schlagzeug war zu meiner Zeit am Konservatorium fast schon verpönt. Ich hatte dabei zwei Unterstützer: Josef Resl und Gerald Endstrasser. Gerald hat dann für einen Vorspielabend ein Paradiddle Stück mit dem bezeichnenden Namen „Schwabadudndedap“ (lacht) geschrieben. Der zweite Teil von diesem Stück wird gesungen, was wir unserem Lehrer zu diesen eher konservativen Zeiten natürlich verschwiegen haben. Spätestens als wir mit unseren weißen Turnschuhen auf der Bühne gestanden sind, ist unser Lehrer im Boden versunken und das war Publikum auf unserer Seite. Das war einer der ersten Vorspielabende mit kombiniertem Schlagzeug. Da die Grooves sehr gut beim Publikum angekommen sind, nahm diese Bewegung schließlich seinen Lauf.

War es ein Thema für dich, Berufsmusiker zu werden?

Natürlich hatte ich diese Idee immer im Hinterkopf. Warum ich diesen Weg nicht eingeschlagen habe, lag schlicht und einfach daran, dass ich dafür schon zu alt war. Das hat mich natürlich immens aufgeregt. Ich bin letzten Endes dabei geblieben, Schlagzeuglehrer zu sein und habe mich in vielen Seminaren und Workshops weitergebildet. Man hat dabei die Möglichkeit, bei Größen wie Terry Bozzio, Steve Smith oder Steve Gatt zu lernen. Wobei ich versucht habe, meinen Stil möglichst beizubehalten und keinen anderen zu imitieren. Ich habe mir dann eher die Didaktiker unter den Drummern ausgesucht. Bei einem weltberühmten Schlagzeuger zu lernen, ist so ähnlich als würde man bei Formel 1-Pilot Sebastian Vettel den L17  machen. In der Retrospektive bin ich froh, dass mir damals früh genug gesagt wurde, dass der Weg des Berufsmusikers nicht funktionieren wird und ich mich für meinen jetzigen Beruf entschieden habe.

Waren Jazz und Samba schon immer deine bevorzugten Stile?

Grundsätzlich haben mich Swing und Jazz von Anfang an interessiert und durch die Zeit mit Charly Antolini, der ein Swing-Drummer der alten Schule war, hab ich das so richtig verinnerlicht. Das schlägt sich natürlich in meinem Unterricht nieder. Auf der anderen Seite bin ich ein großer Fan von Rudiments und Marsch á la „Top Secret“. Doublebass und riesige Drumsets haben auch ihren Reiz und sind nicht zu vernachlässigen. Aber damit habe ich mich nie identifizieren können. Ich fühle mich hinter einem soliden, gut gestimmten und minimalistischen Schlagzeug am wohlsten.

Welche Direktiven hast du beim Unterrichten?

Am wichtigsten ist es den Schüler oder die Schülerin zu motivieren. Selbstverständlich ist es essentiell für Basics zu sorgen und ein Fundament zu schaffen, mit dem man später arbeiten kann. Wenn ich meine Schülerinnen und Schüler dann aber mit endlosen Rudiments quäle, obwohl sie sich nur für Rockgrooves interessieren, wäre das eher kontraproduktiv. Bestes Beispiel dafür ist der asiatische Raum. Dort gibt es Leute die irrsinnig gut spielen, aber schon von Beginn an so darauf hin gedrillt werden, dass die Musik gegenüber der Leistung in den Hintergrund tritt. Ich habe lieber eine nicht perfekte Band, mit der die ganze Sache Spaß macht. Wenn mich SchülerInnen nach Techniken fragen die ich nicht beherrsche, will ich ihnen zumindest Literatur, Videos oder Personen empfehlen können, die ihnen weiterhelfen.

Hast du noch eine Technik die du den LeserInnen ans Herz legen willst?

Ich persönlich finde Paradiddle unheimlich wichtig für ein technisch sauberes Schlagzeugspielen. Daraus lassen sich so viele Techniken ableiten. Es beinhaltet Single- und Doublestrokes, 3er Gruppen und ist in Verbindung mit Samba-Fußtechniken ein grandioses Motoriktraining.

 

Interview: Stefan Dammerer